Aus dem Englischen von Harald Riemann. Anna Funder ist Archäologin. Ihre Grabungsstätte ist die deutsche Vergangenheit. Unbelastet von Geschichte, von Erinnerung, von irgendeiner Ost-West-Ideologie befragt sie Opfer und Täter, Mitläufer, Kollaborateure, Agenten, Widerstandskämpfer und Helden und schreibt ihre Geschichten auf.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.07.2004
Nicht gänzlich, aber "weitgehend" gelungen findet Rezensent Hans-Joachim Föller den Versuch Anna Funders, ein "authentisches Bild der Erfahrungswelt DDR" zu zeichnen. Funders Sammlung von Interviews mit Tätern und Opfern der DDR-Diktatur sei nämlich mit "einigen Fehlern behaftet". Rezensent Föller gibt dafür Beispiele: So bei einem ehemaligen Stasimann, einst zuständig für Anwerbung von Informanten, der behauptet "65 Prozent der Kirchenführer" wären "IMs" gewesen - Föller bezeichnet die Zahl unter Berufung auf Birthler-Behörde und Kirchenhistoriker als "viel zu hoch". Auch einen gescheiterten Schneider, der behauptet, seine DDR-Wohnung habe "450 Mark" gekostet, hält Föller für "nicht überzeugend". Solche Schnitzer mindern für Rezensenten den Wert des Buches "stellenweise erheblich"; dennoch erkennt er es letztlich als "informativ und in seiner Erforschung von Seelenlandschaften eindrucksvoll" an.
Sicher gab und gibt es immer wieder Berichte, die sich mit Einzelschicksalen in der DDR befassen, gibt Eva Behrendt zu. "Überraschenderweise" fehlt es bisher aber an Unternehmungen, die menschlichen Mosaiksteine zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Anna Funders diesbezüglicher Versuch gelingt. "In bester angelsächsischer Tradition" versuche Funder dabei, nicht künstlich objektivierend zu wirken, sondern ihre Neugier so in ihre Reportagen mit ein zu beziehen, dass "fast so etwas wie ein erzählerischer Bogen" und damit schließlich ein Roman entsteht. Nicht alle Personen, die Funder getroffen hat, sind neu, schreibt die beeindruckte Rezensentin, originell und einmalig findet sie aber die "treffenden" Schlussfolgerungen der australischen Journalistin.
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