Die Aufbruchstimmung der sechziger und siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts machte auch in der deutschsprachigen Kinderliteratur den Weg frei für neue literarische Formen und Ansprüche ebenso wie für neue ideologische Zwänge. Schrift-Kindheiten versammelt die wichtigsten Aufsätze von Anna Katharina Ulrich seit 1970. Themen sind neue Tendenzen in der Kinderliteratur seit 1968, Kindheitsbilder in Klassikern, der Stellenwert der Mundart in der neueren Schweizer Kinderpoesie, Lektüre und interkulturelle Erziehung, Väter und Mütter in Kinderbüchern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2002
Anna Katharina Ulrich versucht in ihrem Buch über Kinderbücher dem komplexen Gegenstand der Kindheit und die Wahrnehmung seiner sprachlichen Eigenart auf die Spur zu kommen. Das ist ihr in der Tat gelungen, meint Eleonore Frey. Der Blick für einen Bereich, "in dem die Welt auf dem Spiel steht", zeugt von einer guten Einfühlungsgabe und einer reichen Erfahrung der Autorin. Ihre Sicht der kindlichen Welt bündelt sich zu einer "Perspektive, in der sich die Sache Kinderbuch in einem überraschend erhellenden Licht zeigt." Ob es nun im einzelnen um die Thematisierung des Schweizerdeutschen als Modernisierungselement in der Kinderlyrik geht, oder um die typische Form des Kinderbuches. Frey zollt der Autorin Respekt für das Vordringen in die Unergründlichkeit des kindlichen Ursprungs. Dort gewinne sie "den Schatten, dem ihr Sprechen seine überzeugende Körperlichkeit verdankt". Die Rezensentin hat nicht nur umfassend Auskunft über sich selbst in dem vorliegenden Buch gefunden, sondern auch "die Erkundung der eigenen, der menschlichen Begründung in Sprache und Spiel."
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