Anna Seghers war bereits ein Jahr lang Emigrantin im Pariser Exil, als sich im Februar 1934 die österreichischen Arbeiter:innen gegen das faschistische Dollfuß-Regime erhoben. In fünf Tagen wurde der Aufstand niedergeschlagen. Der "Februar" war eine der Generalproben des europäischen Faschismus. Zehn Wochen nach der Niederschlagung machte sich Anna Seghers auf die Suche nach den Spuren des Aufstands. 1935 erschien "Der Weg durch den Februar" im Pariser Exilverlag "Edition du Carrefour"."In diesem Buch", schreibt Seghers, "sind die österreichischen Ereignisse in Romanform gestaltet. Manche Vorgänge sind verdichtet worden; man suche nicht nach den Namen der Personen und Straßen. Doch unverändert dargestellt sind die Handlungen der Menschen, in denen sich ihr Wesen und das Gesetz der Ereignisse gezeigt hat."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.04.2024
Die Neuausgabe von Anna Seghers wenig bekannter Erzählung "Der Weg durch den Februar" im neu gegründeten Berliner Marsyas Verlag ermöglicht die Wiederentdeckung eines literarischen Meisterwerks, befindet Rezensentin Bettina Hartz. Mit 34 Jahren, als sie den Roman schrieb, lebte die Kommunistin und Kleistpreisträgerin Seghers nach der Verbrennung ihrer Bücher und einer Verhaftung durch die Gestapo bereits im Pariser Exil. Hintergrund der Handlung sind der Aufstand der österreichischen Sozialdemokratie gegen das Dollfuß-Regime im Februar 1934, dessen gewaltsame Niederschlagung und die in den Faschismus mündende Ausschaltung der sozialdemokratischen Opposition. Mit großer Präzision und Anschaulichkeit der historisch-politischen Analyse, so Hartz, verarbeitet die Autorin dieses komplexe Thema. Dabei stünden die Figuren exemplarisch für Ansichten, Klassen und Haltungen und träten doch als individuelle Charaktere hervor. Ein grandioses, zu wenig gelesenes Buch, das die Rezensentin nach Beendigung der Lektüre gleich wiederlesen will und uneingeschränkt empfehlen kann.
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