Annalena McAfee

Zeilenkrieg

Roman
Cover: Zeilenkrieg
Diogenes Verlag, Zürich 2012
ISBN 9783257068429
Gebunden, 477 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Pociao. Honor Tait, Reporterin der alten Schule, hat sie alle persönlich gekannt: Hitler und Franco ebenso wie Cocteau, Sinatra und Picasso. Nun bereitet sie einen letzten Sammelband ihrer Arbeiten vor, ihr Vermächtnis für die Nachwelt gewissermaßen. Doch was ist ein Vermächtnis ohne Publicity? Tamara Sim, die sich bislang eher als Klatschkolumnistin profiliert hat, soll die alte Frau porträtieren - und hält ihr gleichzeitig den Spiegel vor. Die Zeiten haben sich gründlich geändert. Vor allem aber träumt die junge Journalistin, die bis anhin nur prekäre Jobs hatte, von einem großen Coup...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2012

Annalena McAfees Roman "Zeilenkrieg" ist nicht nur ein kluges und witziges Buch, sondern auch eine gelungene Satire über den Medienbetrieb, findet Angela Schader. Die Autorin hat als ehemalige Kultur-Redakteurin der Financial Times und des Guardian reichlich Erfahrung mit dieser Branche, was ihr Debüt thematisch erstaunlich aktuell macht, berichtet die Rezensentin. Das Buch hat zwei Protagonisten: die altehrwürdige Kriegsberichterstatterin Honor Tait, die über den Zweiten Weltkrieg, Vietnam und Nahost gleichermaßen berichtet hat, und die junge Klatschreporterin Tamara Sim, die die "nicht gar so schöne neue Zeitungswelt" repräsentiert. Tamara bekommt den Auftrag, die ältere Kollegin anlässlich deren achtzigsten Geburtstags zu porträtieren. Im Zuge ihrer Recherchen deckt sie einen potentiellen Skandal auf und die beiden verstricken sich in den titelgebenden Krieg in und zwischen den Zeilen, fasst Schader zusammen. Ihr wäre nur lieber, wenn McAfees bissige Beobachtungen nicht den tatsächlichen Zustand der Medien so treffend beschrieben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.11.2012

Ein brillanter Kunstgriff von Annalena McAfee sei das, die Handlung ihres bitterbösen Zeitungsromans "Zeilenkrieg" im Jahr 1997 anzusiedeln, meint Daniela Zinser. Während sich mit dem Internet als aufkommende Größe eine in diesem Augenblick noch kaum wahrnehmbare Umwälzung im Nachrichtenbetrieb anbahnt, treffen die Vergangenheit und Gegenwart des Journalismus aufeinander: eine alte, mit allen Wassern gewaschene Kriegsreporterin und eine junge Klatschjournalistin, die keine fragwürdigen Methoden scheut, um an ihre Informationen zu gelangen. Das große Verdienst dieses Buches - neben dem schieren Vergnügen, den seine Lektüre bereitet - bestehe darin, dass beide Positionen als subjektiv und manipulativ dargestellt werden, meint Zinser.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.11.2012

Annalena McAfee war jahrelang Kunst- und Literaturredakteurin der Financial Times, hat die Literaturbeilage des Guardian, die Saturday Review, ins Leben gerufen und sechs Jahre geleitet - die Autorin kennt das Geschäft, verspricht Sabine Vogel. In "Zeilenkrieg" geraten zwei journalistische Welten aneinander: eine etwas betagte Kriegsberichterstatterin muss mit einer jungen "karrieristischen Hupfdohle" ein Interview führen, um die Sammlung ihrer Reportagen ins Gespräch zu bringen, fasst die Rezensentin zusammen. Keine der beiden entwirft die Autorin allzu wohlwollend, findet Vogel: die eine ist arrogant und moralinsauer, die andere hoffnungslos oberflächlich und ehrgeizig. Der Geschichte komme das freilich nur zugute: Den Zeilenkrieg, der zwischen ihnen ausbricht, findet die Rezensentin nicht nur "saukomisch", McAfee gewähre auch bitterböse und satirische Einblicke in den Medienbetrieb.

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