Aus dem Amerikanischen von Michael Müller. Mit 46 Fotos. Die Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" wurde von der Gestapo als Moskau-abhängige, kommunistische Agentenschmiede diffamiert. Nelson revidiert dieses Urteil, das auch nach Kriegsende fortgeschrieben wurde. Vorrangig aus der Perspektive von Greta Kuckhoff, einer der führenden Persönlichkeiten, findet sich der Leser in einem privaten Zirkel von Männern und Frauen, die sich aus persönlicher Überzeugung der NS-Diktatur widersetzten. Besonderes Augenmerk richtet Nelson auf die Rolle der Frauen, die mehr als die Hälfte der Mitglieder stellten. Diese Neubewertung der "Roten Kapelle" eröffnet auch einen neuen Blick auf den individuellen Widerstand gegen Hitler, den viele mit dem Leben bezahlten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.06.2010
Der hier rezensierende Historiker Hans Mommsen zeigt sich begeistert von dieser Studie über die von Greta Kuckhoff und Mildred Fish-Harnack mitbegründete Widerstandsbewegung der "Roten Kapelle". Das Bild, das die Journalistin Anne Nelson von dem Netzwerk gegen Krieg und gegen das NS-Regime entwirft, hält Mommsen für so farbig wie ergreifend. Besonders beeindruckt zeigt er sich angesichts der von Nelson aufgezeigten Grenzen bei der Kooperation der Gruppe mit den Sowjets sowie in Anbetracht der Schilderung der skandalösen Rolle amerikanischer Geheimdienste in der frühen Nachkriegszeit. Das nahezu vergessene politische und moralische Erbe der "Roten Kapelle" in Erinnerung gerufen zu haben, hält er für ein großes Verdienst der Autorin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.2010
Rainer Blasius hat die Darstellung der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" von Anne Nelson mit, wie man merkt, großem Interesse gelesen und schätzt darin offensichtlich besonders das Einfühlungsvermögen der Autorin. Die konzentriert sich dabei, wie der Rezensent festhält, besonders auf die Frauen der Gruppe und hier auf Greta Kuckhoff, die als eine der wenigen Mitglieder der "Roten Kapelle" überlebte und später in der DDR Karriere machte, wie Blasius wissen lässt. Offensichtlich, so liest sich zwischen den Zeilen, lässt die amerikanische Autorin auch gegenüber den Lebenserinnerungen Kuckhoffs, die Nelson intensiv in ihrer Studie verarbeitet hat, die nötige kritische Distanz spüren, denn sie gelten wegen der starken Zensureingriffe der SED als problematische Quelle, wie der zufrieden wirkende Rezensent betont.
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