Aus dem Amerikanischen von Andrea Stumpf. Annie Proulxs erster Roman seit über zehn Jahren, ein Epos, das dreihundert Jahre nordamerikanischer Geschichte einfängt und von der Abholzung der scheinbar endlosen Wälder erzählt, vom ewigen Kampf zwischen Mensch und Natur.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.07.2017
Frauke Meyer-Gosau legt Annie Proulx' fünften Roman völlig erschöpft beiseite. Nicht nur, dass die Autorin über 900 Seiten drei Jahrhunderte nordamerikanischer Natur- und Menschengeschichte erzählen möchte, die Gier nach Reichtum und Besitz kritisch einfangen will und dafür ein Heer an Figuren bemüht. Sie überfordert die Rezensentin auch noch mit Vorlesungen über Baumwachstum, Figuren ohne Biografie und einer Sprache, die vor Inkonsistenzen strotzt. Für die Rezensentin ein trauriges Beispiel für die Verholzung des Erzählens.
Rezensent Maik Söhler weiß nicht, ob Annie Proulx' Mehr-Generationen-Geschichte über edle Wilde, die unberührten Wälder Nordamerikas und echte Freundschaft auf jeder Seite ernst gemeint ist oder ob der "Authentizitätskitsch" von der Autorn selbst ad absurdum geführt wird. Söhler hält sich an eine "stringent leichte" Sprache, die komplexe Zusammenhänge schlicht, aber ohne Reduktion zu beschreiben in der Lage ist, und liest den Text als Eloge auf den Naturschutz und die inneren Widersprüche von Traditionsliebe und Naturverbundeheit. So lässt sich dieser laut Söhler entlang Rousseaus Idealen angelegte Roman am Ende doch noch ertragen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.06.2017
Rezensentin Sylvia Staude hält nicht lange hinterm Berg mit ihrer Enttäuschung über Annie Proulx' neuen Roman, eine Geschichte über den Raubbau an den Wäldern Nordamerikas. Es fängt zwar vielversprechend an, doch spätestens nach 300 Seiten beginnt der Roman zu lahmen, ächzt Staude, immer mehr Figuren kommen hinzu, roden, beuten aus, werden reich, werden arm und sterben, der Stil wirkt zunehmen so "hölzern wie das Thema" und dauernd hebt sich einem zwischen den Seiten der Zeigefinger entgegen, beschwert sich die Rezensentin. Scheinbar traut Proulx ihren Lesern nicht viel zu, denn anstatt sie eigene Schlüsse ziehen zu lassen, schließt sie jeden Spalt mit ihren ermüdenden Erläuterungen und Ausdeutungen, so die entnervte Rezensentin. Ein ehrgeiziges Projekt, sicher fabelhaft recherchiert, doch für Staude kaum mehr als ein literarisches Skelett.
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