Anthony Burgess

Der Mann aus Nazareth

Roman
Cover: Der Mann aus Nazareth
Elsinor Verlag, Coesfeld 2025
ISBN 9783942788939
Broschiert, 372 Seiten, 26,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ludger Tolksdorf. Immer wieder haben Autoren versucht, sich dem Phänomen Jesus auch auf literarischen Wegen zu nähern. Zu diesem Kreis zählt der britische Schriftsteller Anthony Burgess, bei dem man gleich im ersten Kapitel weiß, in wessen kundigen Händen man sich befindet, wenn der Erzähler Asor, ein fiktiver Sprachgelehrter und Geschichtenerzähler des 1. Jahrhunderts, erst einmal detailliert mit falschen Vorstellungen darüber aufräumt, wie damals Kreuzigungen durchgeführt wurden. Im Folgenden hält Asor sich an die aus den Evangelien bekannte Handlung, beginnt mit der Vorgeschichte, der Geburt Johannes des Täufers und der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem, erzählt teils apokryphe Begebenheiten aus der Jugend und schildert schließlich Jesu Sendung als religiöser Lehrer (und Heiler) bis zum Tod am Kreuz. Bei alledem ist Asor aber eine Figur ihrer Zeit, die manches skeptisch sieht, was heute selbstverständlich ist, um dann wieder als gegeben anzunehmen, was uns rätselhaft scheint. Ob Jesus nun Gottes Sohn ist oder nicht, maßt er sich nicht an zu beurteilen, aber er ist fasziniert von diesem furchtlosen Mann, der sich so konsequent unbeliebt macht mit seinem Gedanken der Nächstenliebe.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 27.12.2025

Nach fast fünfzig Jahren ist dieser Roman von Anthony Burgess erstmals ins Deutsche übersetzt worden, freut sich Rezensent Wolfgang Schneider. Es geht es darin um Jesus: Burgess hat eine "moderne Fassung der großen Geschichte" geschrieben, in der der Heiland ein ziemlich starker Mann ist, der seine Kraft für die Nächstenliebe zähmt. Die Hochzeit in Kana ist hier Jesus eigene, wo er Wasser in Wein verwandelt. Moral mit einem Augenzwinkern findet der Kritiker hier vor, dazu "schöne Details" und fein gezeichnete Figuren. Für Schneider ist besonders gelungen, wie Burgess auch den Nebenfiguren eine Stimme verleiht, besonders Jesus' Jünger werden detailliert dargestellt, Judas zum Beispiel wird in seinem Roman zum Intellektuellen. Auch für bibelferne Leser eine Empfehlung, resümiert der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.12.2025

Nach fast fünfzig Jahren erscheint Anthony Burgess' Roman über Jesus nun auch auf Deutsch: Rezensent Nico Bleutge widmet dem kunstvollen, facettenreichen Roman eine ausführliche Besprechung. Ein Erzähler namens Asor führt durch die spannungsreiche Beziehung von Maria und Josef, erzählt von Jesu Geburt, einer unglücklichen Ehe mit Sara und greift kommentierend in die Handlung ein, erfahren wir. Für Bleutge ein gelungener Kunstgriff, macht der Erzähler doch fortwährend die Probleme historischer Romane wie der Überlieferungsgeschichte der Bibel deutlich. Biografisch ist das Buch wohl durch Burgess' Kindheit im strengen Katholizismus geprägt, vermutet er, besonderes Lob findet auch der Einbezug der historischen Situation der Römer. Bleutge freut sich über einen Roman, der Jesus mit Sprachwitz, Musikalität in der Sprache und mit Kenntnisreichtum darstellt und einfach typisch für den fantasievollen Burgess ist. 

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