Aus dem Französischen von Paul Sourzac. Die elfjährigen Zwillinge Leonora und Marcio leben in einer Diktatur, deren Präsident durch einen Putsch entmachtet wird. Ihre Eltern, einfache Landwirte, müssen hart ums Überleben kämpfen, sie gönnen sich nicht die Zeit, ihre Kinder zu lieben, schlagen sie stattdessen und nutzen sie als pure Arbeitskräfte aus. Die beiden suchen Zuflucht in der Schönheit der Natur und in ihrer anwachsenden leidenschaftlichen Intimität zueinander. Bis ihr Vater sie erwischt und sie voneinander trennt, indem er Leonora zu ihrem Onkel schickt. Marcio macht sich heimlich auf den beschwerlichen Weg, seiner Schwester zu folgen. Ein Weg, an dessen Ende ein ganzes Dorf zum Widerstand gegen korrupte Politik, Ausbeutung und menschliche Verödung aufsteht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.08.2021
Rezensent Dirk Fuhrig wünscht dem belgischen Autor Antoine Wauters auch hierzulande größere Bekanntheit. Wauters' Romane, die sich um "existentielle Fragen" zum Verhältnis von Mensch und Natur drehen, erfreuen sich in Frankreich und Belgien längst großer Beliebtheit, weiß der Kritiker, der sich von dieser "Hänsel und Gretel"-Geschichte ebenfalls sofort in den Bann ziehen lässt. Erzählt wird die Geschichte der von ihren Eltern misshandelten und in einer Art "Bananenrepublik" lebenden Zwillinge Marcio und Leo, die sich auch sexuell zueinander hingezogen fühlen. Wie selbstverständlich Wauters das "Tabu Inzsest" in diesem oft finsteren, mysteriösen "Bildungsroman" behandelt, findet Fuhrig beeindruckend.
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