Mit zahlreichen Karten. Aram Mattioli erzählt die Geschichte Nordamerikas zwischen 1700 und 1900 aus der Sicht der "First Peoples". Eingehend ergründet er die politischen Motive aller Seiten im erbarmungslosen Kampf um den Kontinent, der zur Vernichtung der Lebensformen und der Kultur der Indianer führte. Er schildert die globalen Ereignisse vor dem Hintergrund aller zentralen Zeiterscheinungen und beschreibt den langen und gewaltsamen Prozess der Kolonisierung durch die weißen Siedler. Zugleich bezieht er stets die Sicht der "Besiegten" gleichberechtigt in die Betrachtung mit ein und zeigt eindrucksvoll, wie indianische Nationen ganz unterschiedlich auf die Landnahme reagierten. Daneben kommen die kulturellen Leistungen der Indianer ebenso zur Sprache wie die großen sozialen Umwälzungen und die vielfältigen Lebensformen. Der Autor beschreibt die entscheidenden Kämpfe und zeichnet treffende Porträts der einfachen Menschen wie der großen politischen Akteure.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2017
Rezensent Thorsten Gräbe erwartete sich von Aram Mattioli eine neu gedachte Geschichte Nordamerikas. Die angepeilte konzeptionell und terminologisch dekolonisierende Darstellung kann ihm der Schweizer Historiker jedoch nicht durchgängig liefern. Zwar vermag Mattioli die Vorgehensweisen der Franzosen und Engländer in der Great-Lakes-Region und ihren Umgang mit den Indianern zu unterscheiden, wie Gräbe erklärt, Details zu Stammesstrukturen, die die Indianer als selbsttätig Handelnde zeigen, liefert der Autor jedoch seiner Meinung nach nicht oder nicht ausreichend. Immerhin: die Gewalt gegen die Ureinwohner Kaliforniens und der Great Plains werde differenziert dokumentiert.
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