Mit 14 farbigen Abbildungen. Silvio Berlusconis Aufstieg zum mächtigsten Mann Italiens wurde von einem tief gehenden Kulturwandel begleitet. Die Gesellschaft ist deutlich nach rechts gerückt. Wie konnten Faschismus und Duce-Bewunderung in Italien wieder gesellschaftsfähig werden? Warum war die Erinnerungspolitik von Berlusconis Rechtsbündnis so erfolgreich? Diesen und anderen Fragen geht Aram Mattioli in seiner Analyse nach. Einbezogen werden nicht nur Politikerreden, Memoiren, Bestseller und Filme, sondern auch Fernsehdiskussionen, Gedenkrituale und die Errichtung von lokalen Denkmälern. Kurz, der populistisch und zunehmend illiberal regierende Cavaliere hat das Land weit mehr verändert, als selbst ausländische Beobachter meinen. Zur Anomalie des heutigen Italiens gehört, dass der grassierende Revi-sionismus nur noch von einer Minderheit als Skandal empfunden wird. Eine konzise Darstellung des gesellschaftlichen Wandels in Italien von 1945 bis 2009.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2010
Nicht dass Rezensent Franz Haas nicht Bescheid wüsste über das Desaster der politischen Kultur Italiens. Wenn er es allerdings derart systematisch kompakt und quellensatt wie bei dem Luzerner Historiker Aram Mattioli, serviert bekommt, läuft es ihm kalt den Rücken runter. Wie der Revisionismus und die Duce-Verharmlosung und -Verherrlichung schleichend salonfähig wurde seit den 1980er Jahren bis heute, wie sich ein Fini (nur zum Schein?) zum Bittgänger in Jerusalem wandeln konnte, wie sich schließlich das historische Gedächtnis eines Landes in den Fußballstadien und in der Regierung Berlusconi vollends selbst auslöschte, um den Faschismus aufzuwerten - all das kann der Rezensent hier nachlesen und kann noch einmal das Gruseln lernen.
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