Die Thematik der "Überfremdung" hat die politische Kultur der Schweiz im 20. Jahrhundert entscheidend geprägt. Zahlreiche Volksinitiativen belegen dies ebenso wie die Gründung von politischen Organisationen, die dieses Thema zum programmatischen Schwerpunkt erhoben. Die Art und Weise des Sprechens über Fremde hat Tradition und beeinflusst den Umgang mit Ausländerinnen und Ausländern bis heute. Trotz dieser großen gesellschaftspolitischen Bedeutung ist kaum bekannt, dass die Entstehungszusammenhänge der Überfremdungsdebatten in der Zeit um 1900 liegen. Auch gestaltete der Überfremdungsdiskurs die schweizerische Politik der ersten Jahrhunderthälfte maßgeblich mit, so etwa die "geistige Landesverteidigung" und die antijüdische Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkriegs. Das Buch spannt den Bogen vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis 1945. Es analysiert das Wechselspiel von Diskurs, rechtlichen Normen, behördlichem Handeln und wirtschaftlichen Erfordernissen, skizziert die einzelnen Phasen und beleuchtet die wichtigsten Protagonisten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2004
Beeindruckt zeigt sich Rezensent Aram Mattioli von Patrick Kurys "wichtiger Dissertation", die mit einer "brisanten Kontinuitätsthese" aufwarte. Wie Mattioli darlegt, kann der Autor nämlich zeigen, dass die Schweizer Flüchtlingspolitik von 1939-1945 keine einmalige Entgleisung war, wie gern behauptet wird, sondern Konsequenz einer nationalistisch motivierten Abwehrideologie und Überfremdungsbekämpfung, die auf diskriminierenden Diskursen basierte und von sozialdarwinistischen Auslese-Gedanken und antisemitischen Denkfiguren nicht frei war. Im Zentrum des Buches sieht der Rezensenten das Wirken der 1917 vom Bundesrat ins Leben gerufenen Eidgenössischen Zentralstelle für die Fremdenpolizei. Kury zeige auf, wie hier eine kleine Gruppe von Beamten um die antisemitisch eingestellten Verwaltungsexperten Heinrich Rothmund und Max Ruth entscheidenden Einfluss auf die Neuformulierung der Schweizer Ausländerpolitik nehmen konnte, indem es ihnen gelang, das öffentliche Reden über Fremde zu prägen. Das Resümee des Rezensenten: Eine "solid gearbeitete Studie" mit "reflektierten Analysen", die eine schmerzliche Erkenntnis der jüngeren Zeitgeschichtsforschung bestätige, die in der breiten Öffentlichkeit noch immer nicht in ihrer wahren Tragik zur Kenntnis genommen werde.
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