Giulia Brogini Künzi

Italien und der Abessinienkrieg 1935/36

Kolonialkrieg oder Totaler Krieg?
Cover: Italien und der Abessinienkrieg 1935/36
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2006
ISBN 9783506729231
Gebunden, 384 Seiten, 44,90 EUR

Klappentext

Im Oktober 1935 eröffnete das Königreich Italien den Krieg gegen das Kaiserreich Äthiopien. Schon nach sieben Monaten konnte Mussolini den Sieg über Haile Sellassie I. und dessen hoffnungslos unterlegene Truppen verkünden. Im Mai 1936 rief er das Impero dell Africa Orientale aus, in dem er die Neueroberung mit den bereits bestehenden Kolonien Eritrea und Italienisch-Somaliland zusammenfaste. Der Abessinienkrieg geriet wegen des Einsatzes aller modernen Waffen der italienischen Armee bis hin zu Giftgas zum Experimentierfeld für einen kommenden Großkrieg in Europa. Sogar die Verwendung bakteriologischer Waffen war Bestandteil der Kriegsplanungen für Ostafrika. Giulia Brogini Künzi legt mit ihrem Buch die erste deutschsprachige Gesamtdarstellung seit Jahrzehnten vor. Sie bettet den Eroberungskrieg Mussolinis in den historischen Rahmen des italienischen Imperialismus, in die Entwicklung des faschistischen Systems und in den damaligen italienischen Diskurs über den Krieg der Zukunft ein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2008

Wolfgang Schieder hat Giulia Brogini Künzis Buch über den Abessinienkrieg von 1935/36 überaus positiv aufgenommen. Er sieht darin einen bedeutenden Beitrag zur Debatte um die Frage, ob dieser von Mussolini geführte Krieg tatsächlich ein verspäteter Kolonialkrieg war. Demgegenüber gelingt der Historikerin seines Erachtens überzeugend der Nachweis, dass es sich bei ihm um einen faschistischen Krieg mit einer "neuen Qualität der Gewalt" handelte. Weniger interessant scheinen ihm dabei die Ausführungen über die Entstehung des italienischen Faschismus. Das Zentrum des Buchs bildet für ihn vielmehr die Darstellung des Zusammenhangs zwischen "langfristig angelegter Kriegsplanung" und "rigoroser Kriegführung durch das faschistische Regime". Hier findet er die Autorin am stärksten. Besonders unterstreicht er Künzis Herausarbeitung der militärischen Brutalisierung sowie ihre Einschätzung, dieser Krieg sei um seiner selbst willen geführt worden.

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