Wie kommunizierten die Menschen in Deutschland vor 1914 untereinander? Armin Owzar erforscht die interpersonalen Interaktions- und Kommunikationsformen der wilhelminischen Gesellschaft am Beispiel des Großraums Hamburg. Anhand von Vigilanzberichten des Hamburger Staatsarchivs, normativen Texten sowie Selbstzeugnissen untersucht er die Kommunikationsströme in der Hansestadt Hamburg, beleuchtet die spezifischen Lebensbereiche wie Arbeitsplatz oder Gastwirtschaft und zeigt, dass strenge Restriktionen und radikale Tabuisierungen zu einem ubiquitären Schweigen führten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.01.2007
Aufschlussreich findet Rezensent Stefan Laube diese Studie über die kommunikative Kultur des Kaiserreichs von Armin Owzar. Im Mittelpunkt sieht er alltägliche Elemente politischer Verständigung und Meinungsbildung im Obrigkeitsstaat, die Owzar anhand zahlreicher Quellen von polizeilichen Stimmungsberichten über Anstands- und Benimmbücher bis zu Selbstzeugnissen untersucht. Die von der Forschung festgestellte Verfestigung sozialer Milieus im Kaiserreich spiegelt sich nach Ansicht Laubes auch in der von Owzar untersuchten Alltagskommunikation wieder. Er bescheinigt dem Autor, sorgfältig ein "Panorama alltäglicher Lokalitäten" zu zeichnen, in denen der politische Gedankenaustausch stattfand. Die für die bürgerliche Geselligkeit relevanten Salons, Ess-, Kamin- oder Herrenzimmer kommen dabei ebenso in den Blick wie die Kneipe als "Salon der Armen". Deutlich wird für Laube, dass die verschiedenen Lager oder Schichten kaum je miteinander ins Gespräch kamen und dass bei den gelegentlichen Begegnungen meist "offensiv" geschwiegen wurde.
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