Die Laokoon-Gruppe, die schon zur römischen Kaiserzeit berühmt war, wurde vor 500 Jahren in Rom wiedergefunden. Sie gehört zu den wenigen Kunstwerken, die über die Jahrhunderte ihren Ruhm bewahrt und intensive Rezeption erfahren haben. Die reich bebilderte Anthologie dokumentiert den Prozeß der künstlerischen und kunsttheoretischen Auseinandersetzung mit dem antiken Meisterwerk. Neben den kanonischen Texten der spezifisch deutschen philosophischen Laokoon-Debatte des 18. Jahrhunderts um Winckelmann, Lessing und Goethe enthält sie auch zahlreiche weniger bekannte Quellen, z. B. aus dem Umfeld der barocken Kunstakademie oder der Belletristik des 19. und 20. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.03.2007
Stefan Laube lobt die von Christoph Schmälze herausgegebene 64 Texte umfassende Anthologie zur berühmten Laokoon-Gruppe für die vielen Facetten, in denen vor allem die Rezeptionsgeschichte der antiken Plastik erhellt wird. Neben den berühmten Auseinandersetzungen mit der Laokoon-Gruppe beispielsweise von Winckelmann oder Lessing stehen Kierkegaards Interpretationen der Plastik als Verbildlichung der ehelichen Fesseln oder Strindbergs Text über eine Begegnung Luthers mit der Laokoon-Gruppe bei einer Prozession in Rom, wodurch die verschiedenen Texte in einen lebendigen "Dialog treten", freut sich Laube. Ein bisschen mehr Anleitung neben der kenntnisreichen Einleitung hätte sich der Rezensent mitunter zwar gewünscht. Doch ganz auf die Texte angewiesen kann der Leser seinen freien Assoziationen umso besser nachgeben und das führt zu so manchen Überraschungen, so Laube angetan.
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