Mit 70 farbigen Abbildungen. Die Vielfalt der weltweit knapp 7000 Sprachen ist heute stärker bedroht als je zuvor. Die Hälfte von ihnen könnte bis zum Ende des 21. Jahrhunderts endgültig verstummt sein. Und mit jeder Sprache, die von einer Gemeinschaft aufgegeben wird, geraten nicht nur einzigartige Lautsysteme und grammatikalische Besonderheiten in Vergessenheit. Es gehen auch Schätze an reichhaltigem Wissen und ein Teil unserer kulturellen Vielfalt verloren. Dieser Atlas stellt 50 bedrohte Sprachen vor: von Niedersorbisch und Baskisch in Europa, über das Comanche in Nordamerika, das Kayardild in Australien bis zum Mbugu in Afrika. Darunter Sprachen, in denen es eigene Wörter für feinste Geruchsunterscheidungen gibt oder die eine völlig andere Konzeption von Raum und Zeit haben.Eigens gezeichnete Karten und Infografiken veranschaulichen, wo und in welchem Maß Sprachen gefährdet sind. Begleitende Essays zeigen eindrücklich die unterschiedlichen Gründe für das Sprachensterben auf, aber auch, was für ihren Erhalt getan werden kann - und machen deutlich, wie viel ärmer unsere Welt wird, wenn immer mehr Sprachen verschwinden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2025
Rezensent Wolfgang Krischke freut sich sichtlich über den Sprachatlas aussterbender Sprachen von Arnfrid Schenk und Stefan Schnell. Für Krischke nämlich steht fest: Globalsprachliche Visionen sind Dystopien. Besonders kleinere Sprachen wie das Niedersorbische, das East Taat in Botsuana oder das Ver'a aus Vanuatu strotzen geradezu vor grammatischer Komplexität, stellt Krischke beglückt fest. Die Einleitungen der Autoren zu den vorgestellten "exotischen" Sprachen, Infografiken und Essays zu allgemeinsprachlichen Themen bereichern den Band zusätzlich, so Krischke.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.03.2025
In dem von Wissenschaftsredakteur Arnfrid Schenk und Linguist Stefan Schnell verfassten Band liest Rezensent Günther Wessel einen "Appell, die Verschiedenheit von Kulturen wertzuschätzen": Sie setzen sich darin mit dem überall grassierenden Sprachensterben auseinander. Bis zur Hälfte der heute gesprochenen Sprachen könnte bis Ende des Jahrhunderts ausgestorben sein, mahnen sie, in Deutschland könnte das etwa Plattdeutsch betreffen, so Wessel. Was ein ungeheurer Verlust wäre, denn in jeder Sprache sieht die Welt anders aus. Wessel lernt beispielsweise, dass die Oksapmin in Papua-Neuguinea nicht wie wir ihr Zählsystem auf den zehn Fingern basieren, sondern vom Daumen über den Arm bis zu den Augen zählen, so bedeutet Kin ten "das andere Auge" und zugleich die Zahl 15. Für Wessel vermitteln Schenk und Schnell anschaulich, dass mit den Sprachen auch Weltauslegungsangebote verschwinden würden, die wir dringend brauchen.
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