Zwischen zwei politischen Systemen und zwei Frauen spielt sich Anteks Leben ab, bis die Staatssicherheit ihn zur Flucht nach Deutschland zwingt. Sommer und Winter 1988: Antek, 35 und Kartenabreißer im "Kino Muza" in Bartoszyce, fährt einmal im Jahr für ein paar Monate nach Bremen, um als Zimmermaler zu jobben. Er wohnt dann bei seiner Geliebten Lucie. In Wirklichkeit jedoch liebt er Beata, die junge Besitzerin der Blanki-Insel. Mit seinem Freund Robert träumt er davon, das Kino Muza zu privatisieren. Dann aber ertrinkt Beatas Mann unter mysteriösen Umständen im Blanki-See. Das Kino Muza wird zwar verpachtet, doch nur zum Schein - ein geschickt eingefädelter Schwindel der Staatssicherheit. Vor derem Agenten Brzezinski muss Antek sich in Sicherheit bringen. Er flieht in den Westen - diesmal endgültig - und zurück zu Lucie, doch Brzezinskis Häscher lauern überall.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.12.2003
Die Rezensentin Andrea Gnam ist eigentlich ganz und gar nicht begeistert von diesem Roman. Ihrer Meinung nach kann der Autor Artur Becker nicht richtig schreiben, die Charakterisierungen seiner Protagonisten bleiben für sie "holzschnittartig" und auch die Handlung überzeigt sie nicht richtig. Zu unmotiviert seien der Protagonist Antek und seine drei Teilzeit-Freundinnen, die alles tun, damit der passionierte Kinogänger zumindest ein bisschen bei ihnen bleibt. Auch die im Buch gestreuten Referenzen ans Kino überzeugen die Rezensentin nicht richtig. Trotzdem kommt Gnam in einer erstaunlichen Wende zu einem positiven Fazit des Romans: "Dem Autor gelingt es dennoch, einen opulenten erzählerischen Kosmos aufzubauen, den man, wie bei einem Kinobesuch, am Ende des Buches in seiner spröden Melancholie tatsächlich ein wenig vermissen wird."
Stellenweise mutet Gustav Mechlenburgs Rezension zu Artur Beckers neuem Roman wie ein Verriss an, aber dennoch kommt er nicht umhin, dieses Buch anscheinend wirklich zu mögen. Die Kritikpunkte sind zahlreich: Motive und Charaktere kenne der Leser schon aus dem letzten Buch, "menschelnde Poesie" und ein Übermaß an Ostalgie, ein verunglückter Krimiplot, eine teilweise gestelzte Sprache. Und trotzdem scheint dem Rezensenten das Positive zu überwiegen. So freut er sich über die rasante Erzählweise, die Tatsache, dass die Personen über ihre Klischees hinauswachsen, die Ironie. Sein Fazit: "ein wunderbares Buch" - trotz allem.
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