Michael Checinski ist 21 Jahre alt, als er 1945 in seine Heimatstadt Lodz zurückkehrt. Voller Optimismus, voller Hoffnungen, sich ein neues Leben aufzubauen, will er sich für eine bessere Gesellschaft engagieren. Er begegnet alten Freunden aus der Zeit des gemeinsamen Widerstands im Getto. Checinski ist, wie viele andere auch, überzeugter Kommunist. Er steigt im Parteiapparat auf, wird als Mitglied des militärischen Geheimdiensts und als Dozent an der polnischen Militärakademie Teil der Elite. Checinski erlebt die fünfziger und sechziger Jahre: den Tod Stalins, den Moskauer Ärzteprozess, das politische Tauwetter nach 1956 - und in dieser Zeit auch den wiedererstarkenden Antisemitismus, der nicht nur im Parteiapparat, sondern in der ganzen Gesellschaft zu spüren ist. 1968 artikuliert Parteichef Gomulka in einer Rede den Antisemitismus offen und fordert alle Juden zum Verlassen des Landes auf. Die meisten der noch verbliebenen Juden emigrieren nach Israel, so auch Checinski. Seine Autobiografie zählt zu den wenigen authentischen Zeugnissen dieser Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2003
Ein wenig zwiespältig findet der mit dem Kürzel "U. Sm." zeichnende Rezensent die Erinnerungen des 1924 geborenen Holocaust-Überlebenden Michael Moshe Checinski. So lobt er einerseits das "präzise Bild", das Checinski von der jüdischen Befindlichkeit in Volkspolen, wo auch nach 1945 zahlreiche antisemitische Ressentiments weiter lebten, zeichnet. Andererseits weist Checinski autobiografischer Bericht seines Erachtens einige "weiße Flecken" auf. So berichte Checinski etwa über sein gutes Verhältnis zu sowjetischen Offizieren und ignoriere dabei völlig das tiefe Misstrauen, mit dem man in Polen auf die "russischen Befreier" blickte. Überdies unterlaufen ihm nach Ansicht des Rezensenten einige "bedenkliche Fehleinschätzungen": Während er dem Architekten des polnischen Tauwetters, Gomulka, nichts Positives abgewinnen könne, lobe er General Kiszczak, einen der Hauptverantwortlichen für die Einführung des Kriegsrechts 1981, als "Muster an Loyalität". Der Rezensent empfiehlt deshalb, Checinskis Erinnerungen "cum grano salis" Zu lesen: "als subjektiven Bericht, in dem sich legitime Anklage und politische Naivität vermischen".
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…