Mit 25 Abbildungen. Johannes Paul II. (1920 - 2005) war ein Jahrhundertpapst. Er begeisterte die Massen, und seine Besuche in Polen zeigten den Menschen im Ostblock: Es gibt eine Kraft, die stärker ist als der kommunistische Staatsapparat. Doch so sehr Karol Wojtyla in seiner Heimat stets die Reformer in der Kirche unterstützt hatte - als Papst regierte er selbst autoritär, beschnitt die Unabhängigkeit der Ortskirchen und maßregelte Theologen. Matthias Drobinski und Thomas Urban erzählen keine Heiligengeschichte, sondern porträtieren eine faszinierende Persönlichkeit, die Revolutionär und Reaktionär in Einem war. Unter dem Eindruck des nationalsozialistischen Terrorregimes entschied sich Karol Wojtyla für das Priestertum. Er entwickelte eine Theologie, die von der Freiheit und Würde des Menschen ausgeht, der über sich und seine materielle Existenz hinausstrebt. Er half durch sein Auftreten gegen den Kommunismus, den Eisernen Vorhang einzureißen, aber unerbittlich kritisierte er auch den Materialismus des Westens. In einem mutigen Schritt hat er als Papst um Vergebung gebeten für die Schuld der Vergangenheit. Doch mit seinem Festhalten an einer rigiden Sexualmoral, dem Nein zur Frauenordination und der Verkennung des Missbrauchsskandals hinterließ Johannes Paul II. seiner Kirche ein schweres Erbe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.05.2020
Zum 100. Geburtstag Karol Wojtylas haben der Kirchenexperte Matthias Dobrinksi und der Polen-Spezialist Thomas Urban eine klug abwägende Biografie vorgelegt, verspricht Rezensent Joachim Frank. Zum einen loben sie den ehemaligen Papst Johannes Paul II. für seine Standhaftigkeit gegenüber den Nazis und den sozialistischen Diktaturen des Ostens, zum anderen verschweigen sie nicht, dass sein unbedingtes Festhalten am Bild einer machtvollen Institution Kirche Frauen benachteiligte und den Missbrauchsskandal beförderte, so Frank. Besonders gelungen fand der Kritiker, dass die Autoren den "geistigen Wechselwirkungen" zwischen Wojtyla und Polen sehr genau nachgespürt haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2020
Rezensentin Marta Kijowska erhält mit dem Buch des Kirchenkenners Matthias Drobinski und des Historikers Thomas Urban ein Papst-Porträt voller Sympathie, Respekt und Fakten. Auch wenn die Rezensentin die meisten Daten und Ereignisse um das Pontifikat Johannes Paul II. noch gut in Erinnerung hat, freut sie sich doch über die sachliche, ruhige Darstellungsweise der Biografen, die sich laut Kijowska gut ergänzen, indem sie theologische Konzepte und Konflikte (Drobinski) und politische und gesellschaftliche Hintergründe (Urban) beleuchten und den Leser mit spannenden Details zum Ausnahmepapst versorgen.
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