Asfa-Wossen Asserate - äthiopischer Prinz und Erforscher der menschlichen Umgangsformen - wendet sich wieder einem seiner Lieblingsthemen zu: den Deutschen. Da mag das Thema Pünktlichkeit nicht weiter überraschen, aber schon die Anmut der Deutschen schien bislang nicht weiter der Rede wert. Der Autor beschreibt, was ihm beim Studium der Deutschen an liebenswerten und manchmal auch kuriosen Eigenschaften aufgefallen ist. Sein Überblick über Geschichte und Kulturgeschichte der Deutschen erlaubt ihm den Vergleich seiner Zeitgenossen mit den Deutschen früherer Zeiten - mit Dichtern, Königen, Philosophen und sogar mit unseren Ahnherren, den alten Germanen. Und er macht dabei anschaulich, dass Tugend und Laster manchmal nur einen Schritt weit auseinanderliegen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.05.2013
Heiter und angeregt konstatiert Rezensent Stephan Speicher, dass Asserate in diesem Buch eigentlich alle Fragen offen lässt. Ist Zivilcourage eine deutsche Tugend? Eher nicht, aber Asserate ist zu höfich, es auszusprechen. Dann vielleicht Fleiß? Asserate, so Speicher, führt doch auch "Leonce und Lena" als eine der schönsten Hommagen auf die Faulheit an. Ausführlich zitiert Speicher ein von Asserate gefundenes Max-Scheler-Zeitat über nationale Stereotypen. Asserate aber, so scheint es, will mit ihnen nur geistvoll spielen, keinesfalls pedantisch auf ihnen herumreiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2013
Asfa-Wossen Asserate wurde schon in seiner Kindheit in Äthiopien mit deutschen Bräuchen und Kulturgütern erzogen, berichtet Felix Johannes Enzian. Umso irritierter war Asserate, als er 1968 als Student nach Tübingen kam und die Deutschen von der deutschen Tradition so gar nichts mehr wissen wollten, erklärt der Rezensent. Vorsichtig, immer wenigstens mit einem flüchtigen Blick auf problematische Aspekte, versucht der Autor in "Deutsche Tugenden", die Deutschen nun mit ihrer "Geistes- und Sittengeschichte zu versöhnen". Ruhe und Ordnung können auch nett sein, noch so widerliche Reinheitsfantasien verunglimpfen nicht unbedingt das Reinheitsgebot für Bier, der Wald steht nicht immer militärisch stramm und Stammtische waren im neunzehnten Jahrhundert "Keimstätten deutscher Freiheitsliebe", fasst Enzian einige Erkenntnisse des Autors zusammen. Nur vom Humor als deutscher Tugend will sich der Rezensent nicht überzeugen lassen, Kästner und den Berliner Busfahrern zu Trotz. Etwas schade findet Enzian allerdings, dass Asserate sich, entsprechend der nationalen Stereotypen, für seine Beispiele oft bayerischer Bierzelte bedient.
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