Schon in der Schule nennen sie ihn Auster, schon als kleiner Junge ist er sehr schweigsam. Vielleicht, weil er es schon sehr früh aufgibt, um die Aufmerksamkeit und die Liebe seines Vaters zu kämpfen, der nur Augen für seine Tochter hat. Eines Tages, als sich Jochen Osthaus beruflich und privat am Ziel wähnt, verlässt ihn seine Ehefrau von heute auf morgen. So etwas ist ihm schon einmal passiert, auch seine Jugendliebe Georgia hat ihn auf diese Weise verlassen. Die Frage nach dem Warum verdrängt Jochen. Vielleicht hat seine Angewohnheit, nur mit einem Schulterzucken auf Fragen und Probleme zu reagieren, zu seinem Unglück beigetragen. Als er wieder einmal versucht, einen Streit mit dem Hochziehen der linken Schulter zu beenden, kommt eszur Katastrophe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2004
Ganz unspektakulär ist diese Geschichte, die Asta Scheib hier erzählt, befindet die Rezensentin Sabine Brandt. Schlecht aber sei sie deswegen noch lange nicht. Im Zentrum steht Jochen Osthaus, der auf den ersten Blick aussieht, wie ein gemachter Mann. Er hat eine Frau, Kinder, einen angesehenen Job als Veterinärmediziner. Das Unglück aber ist ihm geradezu anzusehen, von Beginn an, in diesem Roman. Er schweigt, viel und oft, und er schweigt noch da, wo er sprechen sollte. Daher sein Spitzname "Der Austernmann". Seine Frau verlässt ihn - und das wird zum Anlass, seine Vorgeschichte zu erzählen. Ungeliebt von Kindheit an, mit einem Vater konfrontiert, der sich nicht für ihn interessierte - und gar nicht der richtige Vater war, wie er später erfährt - hat er bereits eine traumatische Verlusterfahrung hinter sich. Die Stärke des Romans wie der Autorin, lobt Sabine Brandt, liegt darin, dass sie einen hinter dem wenig sensationellen Geschehen "die Gesetzmäßigkeiten ahnen" lässt, "nach denen menschliches Dasein sich vollzieht".
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