Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Mit Zeichnungen von Jean Cocteau und erstmals in deutscher Sprache veröffentlichten Texten von Jean Cocteau sowie Gedichten und Briefen von Raymond Radiguet und einem Porträtfoto von Man Ray. Der fünfzehnjährige François verliebt sich in die achtzehnjährige Marthe, deren Ehemann im Ersten Weltkrieg kämpft. Trotz der Aussichtslosigkeit ihrer Beziehung und gegen jeden Widerstand geraten die beiden in einen heftigen Strudel aus Begehren und Leidenschaft. Dass ihre Affäre zum Scheitern verurteilt ist, wissen sie, aber voneinander lassen können sie nicht. Mit siebzehn Jahren vollendete Raymond Radiguet dieses Meisterwerk, das zu einem Skandalerfolg wurde, ihm aber auch die Bewunderung des Publikums und von Künstlern wie Jean Cocteau, Max Jacob und Paul Valery eintrug. Der Roman besticht bis heute durch seine Radikalität und seinen psychologischen Scharfblick.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2023
Erfrischend wie einen Schwall Meerwasser findet Rezensent Niklas Bender Raymond Radiguets einzigen zu Lebzeiten veröffentlichten Roman, der jetzt in einer erweiterten Neuausgabe erschienen ist. Erzählt wird von einer skandalösen Liebe: Der fünfzehnjährige Francois liebt die etwas ältere Marthe. Während ihr Verlobter an der Front kämpft, beginnen die beiden eine einjährige Affäre, von der das ländliche Umfeld schnell Wind bekommt. Bender ist auf allen Ebenen begeistert von dieser "herrlichen Provinzposse", die schon bei ihrer Erstveröffentlichung im Jahr 1923 ein Kassenschlager war. Radiguets Sprache ist reduziert und kraftvoll, seine psychologischen Beobachtungen präzise, lobt der Kritiker, der auch die "schneidend scharfe" Übersetzung und das informative Nachwort von Hinrich Schmidt-Henkel hervorhebt. Briefe und Gedichte des mit 20 Jahren gestorbenen Radiguets sowie Texte von Cocteau über den jungen "Teufelsbraten" runden den Band für den glücklichen Rezensenten ab.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.07.2023
Rezensentin Manuela Reichart entdeckt mit Raymond Radiguets Debütroman von 1923 eine Verführungsgeschichte, in der die Figuren sich gegen die Konventionen ihrer Zeit stemmen und die freie Liebe leben. Ehebruch, Betrug und sexuelle Obsession verhandelt der Text des 17-jährigen Radiguet laut Reichart auf erstaunlich reife Weise, spannend und psychologisch überzeugend. Eine echte Wiederentdeckung in "hervorragender" Übersetzung, in einem Band zusammen mit Briefen Jean Cocteaus an den Autor, frohlockt die Rezensentin.
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