Astrid von Pufendorf

Die Plancks

Eine Familie zwischen Patriotismus und Widerstand
Cover: Die Plancks
Propyläen Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783549072776
Gebunden, 500 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Der Name des Physik-Nobelpreisträgers Max Planck ist jedem geläufig. Nur wenige aber kennen seine Biografie und sein familiäres Umfeld. Kaum jemand weiß etwas über das Schicksal seines Sohnes Erwin, der von den Nationalsozialisten wegen "Hochverrats" zum Tode verurteilt und in Plötzensee ermordet wurde. Vater und Sohn stehen im Mittelpunkt dieses großen Familienporträts, das zugleich die dramatischen Umbrüche vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zur NS-Diktatur spiegelt. Die Publizistin Astrid von Pufendorf konnte erstmals den umfangreichen Nachlass Erwin Plancks auswerten, in dem sich allein 460 Briefe Max Plancks an seinen Sohn befinden, aber auch unbekannte Briefe des von den Nazis ermordeten Reichskanzlers Kurt Schleicher, mit dem Erwin Planck befreundet war und dem er als Staatssekretär in der Reichskanzlei diente.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.05.2006

Das Porträt der Planck-Familie ist für Rezensent Tobias Korenke eine so "mitreißende" wie tragische Lektüre. Exemplarisch könne man an ihr studieren, wie das deutsche Großbürgertum zum Teil ungewollt zur Karriere des Nationalsozialismus und zum eigenen Untergang beigetragen hat. Im Zentrum der Darstellung steht der Sohn des Nobelpreisträgers Max Planck, der 1893 geborene Erwin Planck. Wie damals üblich, referiert der Rezensent, ist Erwin Planck begeistert in den Ersten Weltkrieg gezogen und hat später eine Karriere als politischer Berater in der Reichskanzlei gemacht. Dabei hat er an der "Aushöhlung der demokratischen Strukturen" eifrig mitgewirkt, allerdings mit dem Ziel, die Nationalsozialisten nicht an die Macht kommen zu lassen. 1933 habe er deshalb konsequent den Dienst "quittiert" und sei fortan an der Verschwörung beteiligt gewesen, die zum 20. Juli 1944 führte. Auch ein Bittbrief seines berühmten Vaters an Hitler hat ihn dann nicht mehr vor der Hinrichtung bewahren können.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006

Fasziniert ist Peter Merseburger von diesem Porträt der Familie Planck, in dem der Rezensent das ganze Panorama vom "Todeskampf der Weimarer Republik" geschildert sieht. Astrid von Pufendorf erzählt darin das Leben des Quantenphysikers Max Planck, der zeit seines Lebens glaubte, die Wissenschaft aus der (nationalsozialistischen) Politik heraushalten zu können, und seinem Sohn Erwin Planck, einem gestandenen Konservativen im Kabinett Brüning und späteren Mitverschwörer des 20. Julis. Von bitteren Ereignissen weiß Merseburger nach seiner Lektüre zu berichten. So habe der Nobelpreisträger Max Planck zwar eine Gedächtnisfeier für seinen verstorbenen jüdischen Kollegen Fritz haber durchgesetzt, sie aber mit einem Hitlergruß eröffnet. Ein andermal habe er Albert Einstein in einer Sitzung der preußischen Akademie in eine Reihe mit Johannes Kepler und Isaac Newton gestellt, doch als die Nazis Einstein aus der Akademie ausschließen wollte, riet Planck ihm, einen Eklat zu vermeiden und freiwillig auszutreten. Die Autorin habe Briefe der Familie und den Nachlass Erwin Plancks auswerten können, informiert Merseburger, dem die Vorstellung der Funde gelegentlich zu ausführlich geraten ist. Die verdienste des Buches schmälert dies in seinen Augen jedoch nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2006

Für Dietmar Dath ist dieser dicke Band die "erfreulichste und lehrreichste" Ergänzung zu Karl von Meyenns "Quantenmechanik und Weimarer Republik". Der Autorin (und Nachlassverwalterin Erwin Plancks) Astrid von Pufendorf bescheinigt er umsichtiges Exzerpieren und behutsames Kommentieren der Briefe und Dokumente der Plancks. Dafür dass Pufendorfs Arbeit nicht TV-kompatibel menschelt, sondern eine kompakte, hochtransparente und faszinierende politische Monografie mit biografischem Schwerpunkt geworden ist, ist der Rezensent der Autorin richtig dankbar. Die Wahrheit über "Patriotismus und Widerstand" im Nazireich, meint Dath, sei doch eine kompliziertere als in den "Sonntagsreden" zum Thema; sie komme hier zu ihrem vollen Recht.
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