Dass Avi Primor 2013 gemeinsam mit dem Palästinenser Abdallah Frangi mit dem Friedenspreis der Stadt Osnabrück ausgezeichnet wurde, ist kein Zufall. Längst ist Primor für sein Engagement für die Aussöhnung zwischen Israel und Deutschland bekannt. Sein Einsatz ist nicht selbstverständlich: Nur durch Zufall entging seine Mutter dem Holocaust. Aussöhnung auch zwischen Israelis und Palästinensern: Mit seiner Art, Missstände im Umgang mit den Palästinensern offen anzusprechen, machte er sich in seiner Heimat Israel nicht nur Freunde. Hier erzählt Avi Primor von seiner Arbeit als Botschafter Israels und davon, was ihn zu dem Brückenbauer machte, als der er heute gewürdigt wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.10.2015
Mit Interesse hat Nicolas Freund gelesen, wie Avi Primor auf sein Leben zurückblickt. Der frühere israelische Botschafter versteht es, aus seinen beruflichen Stationen ein politisches Mosaik des 20. Jahrhunderts zu bilden. Ein neuer Blick auf Primor scheint sich dem Rezensenten dabei nicht wirklich eröffnet zu haben, er erlebt hier den Diplomaten, wie er ihn seit den neunziger Jahren kennt, überlegt und liberal, auch als jungen Mann in Israel und den USA. Besonders beeindruckt hat ihn die Episode, wie Benjamin Netanjahu Avi Primor, seinen politischen Kontrahenten, zur Unterstützung am Ärmel packte, als er zum ersten Mal dem riesenhaften Helmut Kohl begegnete.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2015
Peter Sturm lernt aus den Lebenserinnerungen von Avi Primor allerhand. Das liegt für ihn zum einen daran, dass Primor lange als Diplomat unterwegs war und entsprechend viel aus diesem potenziell aufregenden Leben zu berichten hat, zum anderen aber liegt es an der Zurückhaltung des Autors allzu intensiven name droppings und Gossips gegenüber. Viel spannender findet der Rezensent ohnehin, den Autor über Antisemitismus als einer intellektuellen Erfahrung sprechen zu hören, oder zwischen den chronologisch erzählten Lebensepisoden auf politische Einsichten zu stoßen, selbst wenn er diese nicht immer mit dem Autor teilt. Primors Kritik an den Regierungen seines Landes Israel liest Sturm mit Gewinn. Ebenso Primors Personenporträts, die der Autor laut Sturm mit einem raffinierten Kniff präsentiert: Er erzählt zunächst von einer Begegnung, verrät aber erst am Schluss, um wen es sich eigentlich handelt.
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