Aus dem Hebräischen von Helene Seidler. Es gibt Leute, die schlagen mit der Faust auf die Theke, und es gibt Leute, die stehen dahinter und fragen: "Und was darf es für Sie sein?" Die Eisverkäuferin Nuphar Schalev gehört eindeutig in die zweite Kategorie: An dem Gesicht des Mädchens bleibt kein Blick länger hängen als notwendig. Doch als sie eines Tages ein Missverständnis zu einer Lüge formt, ändert sich alles, und sie rückt ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Im hellen Licht der Kameras blüht Nuphar auf, und mit ihr wächst und gedeiht die Lüge, und mit der Lüge wächst und gedeiht die junge Liebe zu Lavie Maimon, der im vierten Stock über der Eisdiele wohnt. Doch die Liebe ist etwas sehr Zartes, und die Wahrheit kann sie zertrampeln wie ein wildes Rhinozeros.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2018
Ausgangspunkt von Ayelet Gundar-Goshens Romans ist eine Lüge - vorausgesetzt das Verschweigen der Wahrheit ist gleichzusetzen mit Lüge, erklärt Rezensent Carsten Hueck, der die israelische Autorin in Tel Aviv getroffen hat. Ein junges Mädchen, das sich nach Anerkennung und Zuneigung sehnt, wird in der Eisdiele, wo es arbeitet, beschimpft, rennt daraufhin wütend davon, der griesgrämige Kunde, der glaubt, sie gehe mit seinem Wechselgeld stiften, verfolgt sie, hält sie fest und schon ist es da - das bekannte Bild: ein älterer Mann belästigt eine junge Frau. Die junge Frau steht nun vor der Entscheidung - Schweigen oder die Wahrheit sprechen. Sie entscheidet sich für ersteres. Die Art und Weise wie Gundar-Goshen die Herausforderung solcher Situationen für den Leser nachvollziehbar macht, gehört für Hueck zu den Stärken dieses Romans. Spannend, amüsant und den politischen Aspekt immer mitdenkend, so schreibt er, entfaltet die Autorin ein ganzes Panorama der Lügen-Arten und ihrer jeweiligen, individuellen Entstehungsbedingungen. Ein mitreißender und wunderbar geschriebener Roman, lobt der begeisterte Rezensent.
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