Ungebetene Gäste
Roman

Kein und Aber Verlag, Zürich 2025
ISBN
9783036950631
Gebunden, 320 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama. Ayelet Gundar-Goshen inszeniert einen inneren Konflikt, der die Figuren und Lesenden gleichermaßen in seinen Bann zieht. Und sie schafft davon ausgehend ein Psychodrama über Schuld und Rache, über die Flucht vor Verantwortung und über Mitgefühl, das sich an unerwarteten Orten zeigt. Naomi ist nicht begeistert, als sie sich allein mit ihrem einjährigen Sohn Uri und einem arabischen Handwerker in ihrer Wohnung in Tel Aviv wiederfindet. Ihr Mann Juval hat ihn mit der Renovierung ihres Balkons beauftragt, während er selbst bei der Arbeit ist. Sie fühlt sich unwohl in der Präsenz des fremden Mannes, zumal Uri eigentlich seinen Vormittagsschlaf halten sollte und allmählich quengelig wird. Während sie Kaffee zubereitet, entsteht plötzlich auf der Gasse vor dem Haus ein Aufruhr, ein Teenager ist von einem herabstürzenden Hammer erschlagen worden. Naomi wird schnell klar, dass ihr Sohn den Hammer in einem unbeaufsichtigten Moment vom Balkon gestoßen haben muss. Doch der Verdacht fällt nicht auf die israelische Familie, sondern auf den arabischen Arbeiter. Als er wenig später zum Verhör abgeführt wird, ist Naomi wie gelähmt, es gelingt ihr nicht, die Wahrheit zu sagen. Eine Geschichte, die mit einer harmlosen Tasse Kaffee beginnt, wird zu einer gefährlichen Tour zwischen Stadt und Dorf, bei der keiner der Beteiligten so bleibt, wie er war.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2025
Rezensentin Nadine A. Brügger führt ein langes Gespräch mit der israelischen Autorin Ayelet Gundar-Goshen anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Romans: Es geht viel um die Arbeit der Autorin, die als Psychotherapeutin mit den Folgen des 07. Oktobers zu tun hat, aber auch um die eigene Angst, die sie seit frühester Kindheit ausgebildet hat, als Folge der Traumata ihrer Familie, Holocaust-Überlebende aus Europa. Gewohnt schonungslos widmet sie sich auch in diesem neuen Roman der Ambivalenz der Gefühle, wie Brügger berichtet: Die Handlung setzt mit einer israelischen Frau ein, die einen arabischen Handwerker empfängt, und zwischen Angst vor einer möglichen Bedrohung und Selbstkritik wegen ihrer Vorverurteilung des Mannes hin- und herschwankt. Lauter falsche Entscheidungen und Abzweigungen folgen daraufhin, erzählt uns die Kritikerin, die von Gundar-Goshens Fähigkeit begeistert ist, das zutiefst Menschliche im Unverständlichen aufzustöbern und mit Fokus auf Antisemitismus und die israelische Politik, die sie stark kritisiert, verständlich zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 06.08.2025
Eine treffende, aber beunruhigende Bestandsaufnahme der Dynamiken in der israelischen Gesellschaft findet Kritiker Carsten Hueck hier vor. Winzige Entscheidungen lösen bei Ayelet Gundar-Goshen schicksalhafte und tragische Handlungen aus, weiß Hueck und auch hier verändert ein Moment das Leben einer Familie von Grund auf. Zunächst ereignet sich ein tragischer Unfall: Ein Kleinkind stößt einen Hammer vom Balkon, ein Teenager stirbt. Verdächtigt wird ein palästinensischer Handwerker, die jüdische Mutter Naomi verschweigt aus Angst und Schuldgefühlen die Wahrheit. Am Ende gesteht Naomi ihrem Mann, was wirklich passiert ist, aber der Vorfall wird noch jahrelange Folgen für die Familie haben, lesen wir. "Lässig", aber mit "der Mechanik eines automatischen Uhrwerks" baut die Autorin hier von Seite zu Seite Spannung auf, meint Hueck. Ihr gelingt damit ein psychologisches Kammerspiel, in dem Schweigen, Projektion und Alltagsrassismus eine explosive Atmosphäre schaffen, die die Spannungen zwischen Arabern und Juden in der israelischen Gesellschaft gut sichtbar machen, lobt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.07.2025
Rezensent Rainer Moritz entdeckt allerhand offene Enden und Motive und aufgesetzte Handlungselemente in Ayelet Gundar-Goshens Roman um eine junge Israelin, die von Schuld, Ängsten und Vorurteilen heimgesucht wird und aus Tel Aviv in eine jüdische Community in Nigeria flieht. Für Moritz ist das Buch ein Psychogramm, eines Individuums und einer ganzen Gesellschaft, aufwühlend, aber mit Schwächen. Letztere erkennt er auch in der "holprigen" Übersetzung.