Bandi

Denunziation

Erzählungen aus Nordkorea
Cover: Denunziation
Piper Verlag, München 2017
ISBN 9783492058223
Gebunden, 224 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee. Bandi ist das Pseudonym des ersten literarischen Dissidenten aus Nordkorea. Sein Buch ist die Sammlung von sieben Geschichten, die in den Neunzigerjahren geschrieben wurden und erst jetzt unter riskanten Umständen aus dem Land gelangt sind. In schlichter Poesie und mit feinem Sinn für Humor erzählt der Autor von einem Leben, das vom totalitären Regime durchdrungen ist. Da ist der junge Bauer, dem die nötige Reisegenehmigung fehlt, um seine sterbende Mutter in einer nahen Provinz zu besuchen. Und die Ehe eines jungen Ingenieurs zerbricht an den vererblichen Hierarchien. Der Autor der Geschichten klagt an, macht keinen Hehl aus seiner Wut auf das Regime.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2017

Rezensentin Katharina Borchardt freut sich über diese sieben aus Nordkorea geschmuggelten Erzählungen des unter Pseudonym schreibenden Autors Bandi. Die zwischen 1989 und 1995 entstandenen Geschichten mögen mit ihren hart arbeitenden, nicht gerade komplex geschilderten Figuren und der schlichten realistischen Stilistik zwar den Leitlinien der kommunistischen Literatur folgen, meint die Kritikerin, die die Texte keineswegs mit der "großen Samisdat-Literatur" der Russen vergleichen möchte. Dennoch staunt Borchardt, wie kritisch der Autor hier vom "moralischen Bankrott" der Kommunistischen Partei erzählt: Nicht die Kritik an den Amerikanern oder Südkoreanern steht hier im Fokus, informiert die Rezensentin, die hier erfährt, wie die Kommunisten selbst die einfachen Leute tyrannisieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.05.2017

Markus Schwering ist es beinahe egal, ob die sieben Erzählungen des Bandi genannten anonymen Autors aus den Jahren 1989 bis 1995 nun literarisch stark sind oder nicht. Sie sind es nicht, findet er. Dennoch preist er den Band als Sensation. Das liegt am Herkunftsort der Texte: Nordkorea. Dem Rezensenten eröffnet sich eine kafkaeske Welt, in der Menschen ihrem Führer und einem repressiven System huldigen, das sie allenthalben zermalmt, wie die Geschichten schildern. Authentische nordkoreanische Literatur - für Schwering fast eine Unmöglichkeit, hölzerne Struktur und Dialoge hin oder her.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.05.2017

Für Rezensentin Christiane Pöhlmann ist "Denunziation" eine Sensation. Der unter dem Pseudonym Bandi schreibende Autor, über den nur wenig bekannt ist, hat für diesen zunächst in Südkorea veröffentlichte Erzählband sieben Geschichten aus den 1990er Jahren unter der Regentschaft Kim Il Sungs versammelt, erklärt die Kritikerin, die hier in vielschichtigen Szenen den verschiedenen Stimmen von Männern, Frauen, Armen, Reichen, Dissidenten und Funktionären in Nordkorea lauscht. In den eindringlichen Geschichten erhält Pöhlmann Einblicke in ein restriktives System, in dem öffentliches Weinen als "Auflehnung" gilt und unter Todesstrafe steht, während am Todestag von Kim Il Sung öffentliches Klagen angeordnet war. Wie der Autor immer wieder die Unberechenbarkeit der Natur in diese Welt der Kontrolle, Demütigung und Unterdrückung hereinbrechen lässt, hat die Kritikerin beeindruckt. Und so verzeiht sie gern die wenigen "holzschnittartigen" Momente.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.05.2017

Rezensent Alex Rühle vertraut den Aussagen nordkoreanischer Dissidenten, die die erstmals auf Deutsch vorgelegten zwischen 1989 und 1995 spielenden Erzählungen des Autors Bandi als authentisch bezeichnen. Insofern kann Rühle von einer Sensation sprechen. Texte, die den bühnengleichen Alltag in Nordkorea zeigen und in deren Zentrum jeweils eine Anklage gegen das Regime steht! Auch wenn alle Stücke nach dem ideologischen Muster ähnlich gebaut sind, wie der Rezensent feststellt, und die Figuren in den Texten allesamt keine Chance haben, ihrem Dasein unter der Herrschaft Kim Il-sungs zu entkommen, die kritische Wendung der Form ist für Rühle ein Ereignis.
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