Vor bald zwanzig Jahren hat Barbara Duden den Begriff der "Geschichte des Körpers" geprägt. Die Forderung, das epochenspezifische Erlebnis des eigenen Körpers als etwas historisch Gewordenes zu verstehen, schien damals unerhört. Die Texte in diesem Band sind allesamt Versuche einer Käuzin aus der Geschichtswissenschaft, die Stimme zu finden um die Teilnehmer an einem öffentlichen Gesprächs zur Besinnung zu bringen. Meist sind sie auf der Suche nach einer Stimme, um die Zuhörer darauf aufmerksam zu machen, daß Voraussetzungen, die ihnen zur Selbstverständlichkeit geworden sind, an einem früheren Moment ihres eigenen Lebens ihnen unvorstellbar, ja undenkbar erschienen wären. Eine Stimme, die den tödlichen Ernst brechen kann, mit dem das menschliche Genom besprochen, das Neugeborene Kind als Risikoträger bezeichnet, eine statistische Population mit der Bevölkerung einer Ortschaft verwechselt oder der Nächste zu "einem Leben" degradiert werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.12.2002
Als "Körperhistorikerin" bezeichnet Hildegard Elisabeth Keller die Autorin und begeistert sich für ihr Art der Wissenschaft. In den hier gesammelten Beiträgen spüre Duden die "blinden Flecken der Körperwahrnehmung" auf und zeichne nach, wie wenig die eigenen Erfahrungen inzwischen lebensbestimmend geworden sind. Vielmehr stehe gegen jedes sinnliches Wissen, besonders der Frauen, ärztliche oder besser, technologisch geprägte Diskurse, die sich vor allem durch ihre Unsinnlichkeit auszeichnen. Duden enthüllt so, schreibt Keller, das "Janusgesicht der "pränataldiagnostischen Oberhoheit", die nämlich begonnen hat, das "Recht auf Nicht-Geburt" einzufordern. Eine "kompromisslose Wissenschaftlerin und prägnante Stilistin", findet Hildegard Elisabeth Keller.
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