Im Frühjahr 2014 lebte Barbara Köhler einige Wochen in Istanbul: "Zu lange für Tourismus, für Alltagseingewöhnung zu kurz: dazwischen ist man fremd." Aber die Dichterin lässt dieses Fremdheitsgefühl nicht auf sich beruhen, sie geht ihm nach, macht sich ein Bild und schafft Bilder. In 23 Gedichten und vielen Fotos, die auf ihren Streifzügen ganz beiläufig entstanden, scheint "zusehends" ein immer vielgestaltigeres Antlitz Istanbuls auf: Farben, seltsame Blumen, die Augen der Stadt, Spuren und Zeichen, das Fremde der Sprache, Worte und Blicke. Dabei wird Sightseeing zum seeing sight: das Sehen sehn, den eigenen Blick, die fremden Blicke und wie sie sich begegnen. Barbara Köhler ist auf Istanbul zugegangen, hat hingesehen und hingehört und das Gefundene mit Kamera und Sprache festgehalten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.05.2015
Nico Bleutge entdeckt die Gedichte und Fotos, die Barbara Köhler 2014 von einem Stipendium in Istanbul mitgebracht hat als probates Mittel gegen Autokratie und Langeweile. Momente des Flüchtigen, des Schönen kommen darin laut Bleutge zum Ausdruck, aber auch überraschende semantische Verbindungen zwischen den Sprachen. Dass sich die Bilder und Texte in diesem Band ineinander spiegeln wie das Auge der Autorin in den Augen der Teegläser, der Medusa oder der Überwachungskameras, gefällt dem Rezensenten, auch wenn die Köhler, wie er schreibt, alles andere als liebend auf diese Stadt blickt, sondern eher mit kriegerischem Blick auf die Historie, den Mythos und den Alltag der Stadt schaut.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…