Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Türkischen von Angelika Overath und Nursel Gülenaz. Sie sind der Pulsschlag der Freiheit in der Türkei: Seit den 50er und 60er Jahren prägen Turgut Uyar (1927-1985), Edip Cansever (1928-1986) und Cemal Süreya (1931-1986) die türkische Poesie. Ihre Lyrik ist nicht explizit politisch, dafür aber subversiv, sie experimentieren mit der Sprache, verfremden und collagieren. Ihre Themen sind Liebe, Alkohol, Melancholie und eine als befreiend empfundene Sexualität. "Wir sind ein Vers von Turgut Uyar" schrieben die Gezi-Park-Aktivisten an die Mauern Istanbuls, und noch heute werden sie in die Straßen gesprayt und über soziale Medien verbreitet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2021
Rezensentin Karen Krüger liest den von Angelika Overath und Nursel Gülenaz herausgegebenen Sammelband mit Liebesgedichten von Edip Cansever, Cemal Süreya und Turgut Uyar mit großer Freude darüber, dass die drei einflussreichen türkischen Dichter der 50er Jahre nun auch bei uns bekannt werden. Von der von heute aus gesehen erstaunlichen Libertinage jener Zeit in Istanbul künden die Texte laut Krüger, von freier Liebe, lichter Zukunft und einer Dichtung jenseits des Divans. Die unterschiedlichen Temperamente der drei ergänzen sich für Krüger gut, etwa wenn die miteinander befreundeten Autoren über ihre Liebe zu ein und derselben Frau schreiben und sie im Erleben des städtischen Raums spiegeln. Weitere Informationen über die Entstehungszeit und die Publikationsgeschichte der Gedichte hätten dem Band nicht geschadet, meint Krüger.
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