Barbara Vinken

Angezogen

Das Geheimnis der Mode
Cover:  Angezogen
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2013
ISBN 9783608946253
Gebunden, 250 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Ist der Wandel der Moden eine unvorhersehbare Laune der Kultur? Mitnichten, sagt Barbara Vinken, auch wenn wir, die diese Moden tragen, meist keine Ahnung davon haben, was wir tun, wenn wir uns anziehen. Modewandel hat System. Fragt sich nur, welches? Sobald eine Mode vergessen ist und damit nicht mehr altmodisch wirkt, kann sie zum letzten Schrei wachgeküsst werden. Man hat deswegen von der Tyrannei der Mode gesprochen, die aus dem Blauen heraus ihre Launen diktiert. Doch bei genauerer Betrachtung entpuppt sie sich als ein Spiel nach Regeln - und als ein differenziertes Zeichensystem im historischen Wandel. Im bürgerlichen Zeitalter ist Mode weiblich geworden, Männer kommen unscheinbar im Anzug daher. Doch das war nicht immer so. Heute ist der angeblich herrschende Trend der zum Unisex. Doch wenn sich Frauen wie Männer anziehen, ziehen sich dann beide gleich an?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.12.2013

Wie bei einem Karneval zieht die Mode in diesem Buch von Barbara Vinken vor den Augen der enttäuschten Rezensentin vorüber. Dass die Autorin "aufregend wie im Proseminar" und präzise wie in einem Hochglanzmagazin schreibt, also wenig, ist für Catrin Lorch dabei eher Nebensache. Vor allem stört die Rezensentin, dass Vinken die Chance ungenutzt lässt, aus ihren Beobachtungen zu Sportswear und Hosenanzug, zu Michelle Obama und Karl V. analytisch Kapital zu schlagen und etwa Entwicklungslinien aufzuzeigen. Aber auch bildlich bleibt das Buch für Lorch unterbelichtet. Nicht nur, dass auf 250 Seiten Text bei diesem nach Sichtbarkeit lechzenden Thema bloß 16 Seiten "eklektisch zusammengestellte" Abbildungen kommen, auch bezieht sich die Autorin laut Lorch lieber auf Lektüre, wenn sie die Epochen "besichtigt". Vinkens Grundthese schließlich, wonach Mode vor allem der Abgrenzung der Geschlechter diene, findet die Rezensentin im Buch zwar reichlich belegt, doch viel zu wenig erläutert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2013

Hannelore Schlaffer lobt zwar die Genauigkeit, mit der Barbara Vincken Fragen der Mode in ihrem neuen Buch "Angezogen" nachgeht, ihrer Ansicht nach denkt die Wissenschaftlerin in dem Versuch, eine Theorie der Mode zu entwickeln, allerdings nicht weit genug. Vincken bleibe bei der These, dass die Entwicklung gerade der weiblichen Mode seit jeher ihren Ursprung in der Sexualität und der Ostentation des Körpers habe, stehen. Die Kritikerin vermisst einen dezidierten Gegenwartsbezug, der modische Geschlechterrollen zumindest in Frage stellen und auch neuartige Tendenzen in der Männermode berücksichtigen würde. Zudem kritisiert sie die Bedeutung, die die Autorin der Designermode in ihrem Buch zumisst, und die mangelnde Reflexion über deren Diskrepanz zur alltäglichen Straßenmode.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.09.2013

Etwaigen Widerspruch spart sich Elisabeth Wagner angesichts der Eleganz der Interpretation der "Neuen Frauenbeine" durch Barbara Vinken. Die Modegeschichte, die die Autorin von den Beinen her und für die Rezensentin so selbstbewusst wie gelehrt entwickelt, gibt laut Wagner nicht nur Anlass zu Optimismus in Sachen Mode und Politik, Mode und Gesellschaft, sondern macht einfach Spaß. Mode als mächtige Verführerin, Marie Antoinette als erstes Fashion Victim, der Anzug als Stoff gewordene tödliche Langeweile - Vorstellungen, die Wagner einleuchten und gefallen.

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