Flaubert gilt als "Vater" und Erneuerer der modernen Literatur. Wie man das allerdings neu verstehen muss, zeigt Barbara Vinken in ihrer brillanten Studie. Als Bezugspunkt dienen ihr zum einen Flauberts Triebschicksal, das ihn zu jemandem werden lässt, der schreibt anstatt zu lieben, zum anderen die Bibel, deren "frohe Botschaft" er im Namen des Kreuzes durchkreuzt. Damit bilden Psychoanalyse und Bibelverständnis den Rahmen, in dem Flauberts Weg in die Moderne eine aufregende und frische Deutung erfährt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2010
Einen zwiespältigen Eindruck hat Barbara Vinkens voluminöse Studie "Flaubert. Durchkreuzte Moderne" bei Albert Gier hinterlassen. Er bescheinigt der Autorin, die eine Gesamtinterpretation von Flauberts Werk wagt, eine Reihe von erhellenden Einsichten. Insbesondere der Einschätzung, der Zustand von Flauberts Romanwelt sei düster, pessimistisch und hoffnungslos, stimmt er zu. Mit der theologischen Interpretation dieser Welt als augustinischer Erden- beziehungsweise Teufelsstaat, dem der Gottesstaat abhandengekommen sei, hat er indes so seine Schwierigkeiten. Generell fällt seines Erachtens bei Vinken der Sinn des großen Autors für Ironie und Groteske viel zu oft unter den Tisch. So bleiben für ihn auch eine Menge offener Fragen. Kritisch äußert er sich außerdem über das mangelhafte Lektorat des Buchs, das zahlreiche Formulierungen durchgehen ließ, die ihm "schief, schlampig oder missverständlich" erscheinen.
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