Aus dem Englischen von Bettina Stoll. Lesensgefährlich: Barry McCrea hat einen Roman über den geheimnisvollen Kosmos der Worte geschrieben. Sein Held wird Mitglied im rätselhaften Club der Literati und betritt eine nachtdunkle Welt der Erotik und der Weisheit - es wird ein Spiel auf Leben und Tod. Als Niall Lenihan sein Studium im altehrwürdigen Trinity College zu Dublin antritt, ändert sich sein Leben auf magische Weise. Er trifft Studenten, die des Nachts in alten Büchern lesen, als ginge es um ihre Seele. Es sind"Literati", Angehörige eines verborgenen Ordens, die einem alten Kult frönen: Mit Hilfe von "Sortes", schicksalsschweren Textstellen aus alten Büchern, sind sie der Zukunft und dem Mysterium des Lebens auf der Spur. Niall verfällt den Literati und den Sortes. Zu spät merkt er, dass sie sein Leben gefährden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2008
Hinter Barry McCrea' "Poeten der Nacht" verbergen sich Mitglieder einer Sekte, die aus einer beliebigen Stelle eines Buches Antworten auf jegliche Fragen zu erhalten vermeinen, erklärt Jan Wiele. Leider parodiert der Autor hier keineswegs eine bestimmte literaturwissenschaftliche Interpretationspraxis, im Gegenteil will er ganz ernsthaft darstellen, wie ein junger Mann, der nebenbei auch noch sein Coming-Out erlebt, in die Fänge einer Sekte gerät, stellt der Rezensent klar. Im Zentrum des Erzählten aber stehe Dublin und hier lehne sich McCrea bewusst an James Joyce' mythische Stadtwanderung im "Ulysses" an, erklärt der Rezensent, der den Autor aber einem selbst verschuldeten Vergleich mit dem irischen "Altmeister" nicht im Mindesten standhalten sieht. Mehr als "Selbstzweck" sind die Wanderungen des jungen Helden durch Dublin nämlich nicht, so der Rezensent enttäuscht.
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