Beatrice Minger

"Hier saß er"

Cover: "Hier saß er"
Edition Patrick Frey, Zürich 2018
ISBN 9783906803692
Kartoniert, 370 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Mit 124 Abbildungen. Jeder hat diese Bilder schon gesehen in der schweizerischen Presse: Eine Person steht am Bildrand und zeigt auf etwas - ein Fenster, eine Wiese, einen roten Mitsubishi, ein Einschußloch. Die Miene ist auffordernd, anklagend, empört, selbstgerecht oder auch stolz, gar freudig. Die Bildlegende deckt dann auf, worum es geht. Ein Mann zeigt auf das Fenster, aus dem ein schwerhöriger Rentner mit dem Sturmgewehr geschossen hat. Ein Arbeitsloser zeigt auf den Fluss, aus dem er eine Frau gerettet hat. Oder der Hausabwart der Primarschule der frisch gewählten Bundesrätin Doris Leuthard kann sich noch genau erinnern, an welchem Haken ihr Finkensäckli hing. Die Geste des Zeigens lenkt die Aufmerksamkeit, stellt einen Zusammenhang, eine Chronologie her. Mit einfachen, aber sehr wirksamen Mitteln entsteht eine Geschichte. Beatrice Minger hat 124 Zeigebilder und ihre Legenden aus der Boulevard- und Lokalpresse zusammengetragen und zu einem kaleidoskopischen Porträt der Schweiz montiert. Die Bildsammlung erzählt Geschichten über unser Zusammenleben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2018

Man kann Beatrice Mingers Bildband als Anstoß für Gedanken über die Geschichte, die Bedeutung und den Zweck der Zeigegeste verwenden. Man kann ihn auch als ein Medium der stillen Kritik an der Lokalpresse und ihrer Bilderwut verstehen. Man kann vielleicht, mit etwas Mühe und bei guter Laune auch über die Bilder darin lachen oder zumindest schmunzeln, überlegt Rezensent Simon Rayss, denn aus dem Kontext gelöst bekommen die Fotografien, die in "Hier sass er" versammelt sind oft etwas Unverständliches und Witziges. Erst durch die Lektüre der Bildbeschreibungen danach bzw. im Anhang erschließt sich der Zusammenhang, lesen wir. Man kann auch das knappe Nachwort der Autorin lesen und ganz interessant finden, glaubt Rayss. Wenn man das jedoch alles nicht tut, bleibt nicht viel übrig, denn was will man schon mit einem Sammelband voller ziemlich unästhetischer Pressebilder, auf denen Leute auf irgendetwas zeigen, fragt sich der skeptische Rezensent.

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