Als Fake News noch kein Begriff war ...Im Februar 1908 berichtete ein Ingenieur Berdach aus der Wiener Glockengasse in einem Leserbrief an die Neue Freie Presse über seine jüngsten Erdbebenbeobachtungen und blamierte die Redaktion, als sich der Bericht als purer Unsinn entpuppte, bis auf die Knochen. Hinter der Maske des Ingenieur Berdach verbarg sich Karl Kraus. Die Methode hat viele Nachfolger gefunden, Berdachs Erbe reicht von Walter Benjamin und Gershom Scholem bis zur Künstlerinnengruppe "Die Damen", vom deutschen Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer ("Marbot") bis zum amerikanischen Meisterhoaxer Alan Abel. Das Spiel wird in vielen Varianten gespielt, das Ziel, die satirische Unterwanderung eines Mediums und seiner Autorität, bleibt allerdings gleich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2023
Einen rasanten Parcours durch die Geschichte gewitzter Medienfälschungen bietet dieses Buch von Ernst Strouhal und Claudia Geringer für Rezensent Helmut Mayer. Angefangen bei Karl Krauss, der im Jahr 1911 der "Wiener Neuen Freien Presse" unter einem Pseudonym die frei erfundene, aber kunstvoll erdachte, Beobachtung eines Erdbebens unterjubelte, über Arthur Schütz' satirische Interventionen bis zu Wolfang Hildesheimers historischem Roman über seine völlig fiktive Figur Marbot, erschließen die Autoren das Gebiet der "Grubenhunde". Das sind "Fakes der kritischen Art", die den Medien ihre eigenen Disfunktionalitäten vor Augen führen: das ist erhellend und locker geschrieben, freut sich der Rezensent. Auch Satiriker wie Loriot und Jan Böhmermann kommen vor, man konzentriert sich aber auf intelligente und aufwendig konstruierte Fälschungen, so Mayer, nicht auf die schnellen Fake News, die man heute mit ChatGPT in Sekunden generiert.
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