Aus dem Chinesischen von Wolfgang Kubin. Bestandsaufnahme und Rückblick: Bei Daos Gedichte - als Exilliteratur in den USA entstanden - bedienen sich hauptsächlich der Paradoxie als Stilmittel. Dies sei, so sagt er, für ihn der einzige Weg, um die Welt in ihrer Widersprüchlichkeit zu entdecken. Indem er sein Leben poetisch analysiert, kommt auch die Geschichte zu Wort: die zerstobenen Illusionen eines Dichters, der von einer anderen, besseren Welt geträumt hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2010
Kurt Drawert erweitert das auf den Texten Bei Daos klebende Etikett "Surrealistische Lyrik" um einen entscheidenden Hinweis. Nicht als automatisches Sprechen, sondern als metaphorische Verkürzung empfindet der Rezesent Daos lyrisches Credo. Für Drawert bezieht sich hier alles auf ein Fortgehen ohne Ankunft beziehungsweise ein Ankommen, ein Exil in der Sprache. Bei Daos persönliche Geschichte als chinesischer Dissident ist für Detering hinter diesem Konzept gut erkennbar. Insofern ist der Autor für ihn auch ein politischer, begreift er dessen Skepsis und Angst vor dem Scheitern und Verstummen als Möglichkeit des Sprechens schlechthin. Dem immer wieder neu ansetzenden Verhandeln dieser Beziehung mit Gewinn beiwohnen zu können, verdankt Detering ausdrücklich auch dem Übersetzer Wolfgang Kubin.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.07.2009
Marion Löhndorf stellt den Band mit ausgewählten, zwischen 1992 und 2008 entstandenen Gedichten des chinesischen Essayisten und Lyrikers Bei Dao vor. Der Autor, der als "Symbolfigur eines demokratischen China" gilt, wie sein Übersetzer Wolfgang Kubin mitteilt, lebte vom Ende der 80er Jahre an im Exil, und so handeln auch seine Gedichte überwiegend vom Leben in der Fremde, erklärt die Rezensentin. Traditionelle Themen der Lyrik wie Liebesgedichte oder politische Gedichte fänden sich dagegen nicht, so Löhndorf weiter, die als Grundzug der Texte eine "resignative Melancholie" sieht. Da sich die Lyrik Daos, der heute als Professor für kreatives Schreiben in Hongkong lehrt, "hermetischer Bilder" und vielfältiger Deutung zugänglichen Wendungen bedient, empfiehlt sich "wiederholtes Lesen", rät die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.04.2009
Rezensent Andreas Dorschel beschäftigt sich in seiner Rezension eines Gedichtbands des chinesischen Dichters Bei Dao weniger mit der Lyrik selbst, als mit der Arbeit des Übersetzers Wolfgang Kubin. Der musste nämlich die zwischen 1992 und 2008 entstandenen Gedichte mehr oder minder neu erfinden und so "selbst zum Dichter werden" - ganz einfach, weil die deutsche Sprache mehr Eindeutigkeit fordert als die chinesische. Denn bei der Dichtung des von der chinesischen Regierung geschassten und im Exil lebenden Dao handelt es sich um das "Gegenteil von Agitprop". Eher schafft er vieldeutige und in sich geschlossene "Gespinste". Ob es Kubin gelungen ist, den Gedichten die "innere Stimmigkeit" zu vermitteln, die sie im Original besessen haben - diese Frage beantwortet Dorschel nicht. Doch auf jeden Fall ist es dem Übersetzer seiner Meinung nach gelungen, eine "solche Stimmigkeit im Deutschen wieder neu und ganz anders zu schaffen".
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