Der Erste Weltkrieg brachte neue Formen der Massengewalt. Soldaten töteten und verwundeten einander in bislang nicht gekanntem Ausmaß. Zugleich versuchten sie, das Feuer der Waffen zu überleben oder sich dem Töten zu entziehen. Manche verweigerten sich ganz der Gewalt. Erst in der Zusammenschau von Töten, Überleben und Verweigern, so die These dieses Bandes, werden Formen und Ausmaß der Gewalt im Ersten Weltkrieg verständlich. Die Kapitel des Bandes verbinden die systematische Analyse von Gewalt- und Verweigerungsformen mit biografischen Fallstudien zur Beobachtung und Verarbeitung der Gewalt. Damit wird nachvollziehbar, wie die Massengewalt des Ersten Weltkrieges die deutsche Gesellschaft prägte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2014
Manfred Nebelin ist dankbar, dass mit Benjamin Ziemanns Studie nun ein Buch vorliegt, das die Gewalt im Ersten Weltkrieg zum Schwerpunkt hat, das Töten. Für Nebelin ein wichtiger Fokus, da die Opferzahlen ab 1914 eine nie dagewesene Größenordnung erreichten, wie er zu bedenken gibt. Im Buch erfährt er, warum. Neue Waffengattungen, besonders die Artillerie, und auch die neue Anonymität des Tötens waren ausschlaggebend. Leider erfährt der Rezensent hier zu wenig über die Psychologie der Artilleristen und MG-Schützen, obgleich doch Aufzeichnungen genug existieren, wie Nebelin weiß. Dass der Autor einmal mehr Ernst Jünger als Exempel für Gewalthandeln hernimmt, kann ihn nicht zufriedenstellen.
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