Ulrich Horstmann

Die Aufgabe der Literatur

oder: Wie Schriftsteller lernten, das Verstummen zzu überleben
Cover: Die Aufgabe der Literatur
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783596183616
Kartoniert, 271 Seiten, 12,95 EUR

Klappentext

Schriftsteller wollen immer schreiben, denkt man. Doch es gibt Ausnahmen: Dichter, die das Schreiben aufgegeben haben. Warum? Und wie kommen sie damit zurecht? Hölderlin z.B. verlor den Verstand, Philip Larkin verglich die Leere im Schädel mit der Glatze darauf und ging zur Tagesordnung über. Ulrich Horstmann hat sich die Strategien der beherzten Entdramatisierung und der gewitzten Katastrophenbewältigung angesehen und schildert pointiert, wie Autoren von Swinburne, Rimbaud, Walser, Beckett, Koeppen bis zu Hildesheimer ausprobierten, ob und wie sich ganz im Stillen leben lässt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2009

Rezensent Andreas Langenbacher will sich gar nicht lange mit den Einwänden aufhalten, die man gegen diesen Essay erheben könnte. Dass Ulrich Horstmann sein Sujet mit manchmal recht gewagten Strichen hervorhebt, verzeiht er ihm gern. Denn hier schreibt jemand leidenschaftlich und dennoch konzise. Es geht um die Schriftsteller, die eines Tages nicht mehr schreiben konnten oder nicht mehr wollten und also die Literatur aufgaben, mal unter Schmerzen, mal selbstbewusst, als erklärtes Finito oder umkämpftes Finale. Horstmann, berichtet Rezensent Langenbacher weiter, beginnt mit den entmündigten Hölderlin, Robert Walser und John Clare, fährt fort mit Rimbaud und  dem trunksüchtigen Swinburne (wobei er Wert darauf legt, dass dieser nicht einmal im Delirium tremens seine Sprache verlor, sehr wohl aber bei der Entziehungskur), und kommt schließlich Laura Riding Jackson, Salinger, Koeppen und Hildesheimer. Hier, freut sich Langenbacher über diese Fortschreibung der "Philosophie der Menschenflucht", erweist sich einer als prospektiver Schwarzseher.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.2009

Die von Ulrich Horstmann mit viel Sympathie entworfene Ahnengalerie literarischer Verweigerer unter besonderer Berücksichtigung von "Irrenhäusler, Alkoholiker, Selbstmörder, Spiegelfechter" liest Rezensent Werner von Koppenfels als originelles Kapitel der Komparatistik. Den ironiegeschulten Essayisten Horstmann hört er dabei angenehm häufig heraus, wenn der Autor seine Neinsager von Hölderlin, Rimbaud ("Merde pour la poesie") und Robert Walser bis Beckett, von Koeppen bis Larkin vorstellt. Und die Misanthropie, der Pessimismus hinter solchen Arbeits- und Lebensmodellen? Sind schon vorhanden, auch für den Autor, stellt Koppenfels fest, doch bleiben sie in dieser Erhebung eher unerheblich.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Beliebte Bücher

Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…