Eine der schwierigsten Fragen, die die Geschichts- und Sozialwissenschaften beschäftigt, ist die, wie es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer bisher unvorstellbaren Eskalation der Gewalt hatte kommen können, die mehr als 70 Millionen Menschen das Leben kostete. Diese Frage steht im Mittelpunkt des Bandes. Beginnend mit den Debatten um die Zukunft der Kriegsführung vor dem 1. Weltkrieg, analysiert Volker Berghahn die Kriegswirklichkeit von 1914 bis 1918 sowohl im Westen als auch im Osten. Aus der zum Teil pathologischen Verarbeitung dieser Gewalterfahrungen entstehen in den 30er Jahren Feindbilder und Visionen, die die Achsenmächte später in die Tat umgesetzt haben. Deren Utopie einer europäischen Neuordnung stieß mit jener Vision einer zukünftigen Gesellschaft zusammen, die am klarsten von den Amerikanern vertreten wurde. Das Jahr 1942 stellt in diesem Ringen den Höhepunkt und zugleich den Wendepunkt dar.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2002
Eine "pointierte Kurzgeschichte europäischer Katastrophen" erblickt Rezensent Wolfgang Sofsky in Volker Berghahns "Europa im Zeitalter der Weltkriege". Als einen Vorzug von Berghahns Buch würdigt er dabei, dass es über die Grenzen des Kontinents hinausweist - schließlich beginnt für den Autor die Geschichte der totalitären Despotien mit dem europäischen Kolonialismus, wo die Europäer das Handwerk von Krieg und Terror erlernten, das sie dann im Faschismus und im Kommunismus perfektionieren sollten. Mit souveränen Strichen zeichne Berghahn eine Geschichte, die vom Sozialtypus des modernen "Gewaltmenschen" regiert wurde, lobt Sofsky. Bedauerlich findet er allerdings, dass Berghahn den Habitus des Gewaltmenschen nicht psychohistorisch präzisiere. So informativ und klarsichtig seine Darstellung insgesamt ausfalle, klagt Sofsky, "zuletzt verspielt die Chancen, die ein internationaler Vergleich kollektiver Gewaltdispositionen liefern könnte."
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