Wird das europäische Judentum das nächste Jahrtausend Überleben? Wasserstein behauptet: Nein, wenn sich das Bekenntnis zur jüdischen Herkunft auf die Rituale der männlichen Beschneidung und des jüdischen Begräbnisses beschränkt. Die Juden in Europa sterben aus. 1939 lebten hier zehn Millionen. Nach dem Holocaust waren es vier Millionen. Inzwischen sind es weniger als zwei Millionen. Bernard Wassersteins Buch ist die erste Politik- und Sozialgeschichte der Juden im Nachkriegseuropa. Die deutsche Ausgabe wurde vom Autor überarbeitet und aktualisiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999
Olga Mannheimer weist darauf hin, dass das Buch 1996, beim Erscheinen der englischen Originalausgabe, wegen Wassersteins pessimistischer Thesen Kontroversen auslöste. Sie lobt das "aufschlussreiche Resümee" der europäisch-jüdischen Geschichte nach dem Krieg, kritisiert aber die Einseitigkeit von Wassersteins Betrachtungsweise und seinen "eng gefassten Identitätsbegriff", der vor allem auf dem religiösen Kriterium beruhe. Das Buch sei aber spannend und mit Eloquenz erzählt.
Julius H. Schoeps nutzt die Besprechung von Bernard Wassersteins ?Europa ohne Juden?, um noch einmal darauf zurückzublicken, wie sich jüdisches Leben im Europa der Nachkriegszeit neu zu entwickeln begann. In der Materie kennt sich der Historiker Schoeps aus. Das ist im Prinzip gut, für die Kritik aber schlecht. Denn Schoeps greift in in seiner Rezension so sehr auf das eigene Wissen zurück, dass man meinen könnte, er hätte Wasserstein nicht zu lesen brauchen. Was in Wassersteins Buch steht, erfährt man denn auch erst im letzten Viertel der Besprechung. Was Schoeps von Wassersteins These hält, dass es kein authentisches jüdisches Leben mehr in Europa gebe, erfährt man gar nicht. Nur ein kleiner Hinweis im letzten Satz: ?Sollte das aber zutreffen, dann könnte der von manchen gehegte Verdacht vielleicht zutreffen, dass Hitler und die Nazis posthum doch noch den Sieg davongetragen haben.? Ach so.
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