Julian Barnes

Der Mann im roten Rock

Cover: Der Mann im roten Rock
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2021
ISBN 9783462054767
Gebunden, 304 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Gertrude Krueger. Mit 96 Farb- und s/w-Abbildungen. Julian Barnes nimmt uns mit auf eine Reise durch das Paris der Belle Époque. Er lässt uns teilhaben am Leben von Dr. Samuel Pozzi (1846-1918), dem damals bekannten Arzt, Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie und Freigeist, ein intellektueller Wissenschaftler, der seiner Zeit weit voraus war: So führte er Hygienevorschriften vor Operationen in Frankreich ein und übersetzte Darwin ins Französische. Julian Barnes zeichnet das Bild einer ganzen Epoche am Beispiel dieses charismatischen Mannes.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.02.2021

Rezensentin Sylvia Staude liest in Julian Barnes' biografischem Buch über den Dandy und Stargynäkologen der Belle Epoque, Samuel Pozzi, wie in einem Roman. All die großen Namen, von Sarah Bernhardt bis Proust, die in dieser Lebensgeschichte auftauchen, die ganze Dramatik (Pozzi wurde von einem Patienten erschossen) und wie Barnes sie gestaltet, elegant ironisch, mit allerhand Leerstellen, den Fakten und dem Gossip der Zeit verpflichtet und mit viel Sympathie für seine Figur - lassen Staude mitunter vergessen, dass es sich nicht um Fiktion handelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.01.2021

Für Rezensentin Cathrin Kahlweit ist Julian Barnes' Buch über den französischen Mediziner und Lebemann Samuel Jean Pozzi und seine Zeit, die Belle Epoque, viel mehr als ein Sachbuch. Über das Nachwort, in dem der Autor sich laut Kahlweit schlau über den Brexit auslässt, gelangt die Rezensentin in den Haupttext, der Pozzi zum "Sinnbild Europas" stilisiert. Wie Barnes seine Figur als neugierigen, unersättlichen kosmopolitischen Europäer zeichnet, seine Affären, Extravaganzen und Intrigen ausmalend, und damit auf die Gegenwart verweist, scheint Kahlweit genial. Eine höchst kunstvolle Liebeserklärung an den Kontinent, in der Großbritannien eher nicht so gut wegkommt, so die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 13.01.2021

Rezensentin Sigrid Löffler lässt sich nicht täuschen vom "eleganten Plauderton", den Julian Barnes anschlägt. Sein Essay über den Pariser Mode-Arzt und Lebemann Dr. Pozzi, zu dem Prousts Vater und Hauptmann Dreyfuss ebenso gingen wie Sarah Bernardt, besticht sie durch seine gründliche Recherchen und kluge Beobachtungen. Herrlich findet Löffler natürlich, wie Barnes die Welt der Pariser Belle Epoque zu einem Wimmelbild dekadenter Aristokraten, Dandys, Snobs und Exzentriker fügt. Aber bei allen Exzessen und Extravaganzen, Neurosen und Narzissmen, zu denen diese Epoche fähig war, brachte sie eben auch Freidenker und Reformer hervor, Weltoffenheit, Charme und Taktgefühl, betont die Rezensentin, die Parallelen zur heutigen Zeit nicht lange suchen muss.