Was ist dran an der Skandalgeschichte des Christentums, deren üppige filmische Inszenierungen nur so von Sperma, Blut und Gift triefen? Was ist mit Kreuzzügen, Inquisition und Hexenverfolgung? Stand das Christentum bei der Durchsetzung der Menschenrechte auf der Bremse oder auf dem Gaspedal - oder auf beidem? Was ist mit Frauenemanzipation, sexueller Revolution und vor allem: Wie steht das Christentum wirklich zum Holocaust? Manfred Lütz erzählt die Geschichte des Christentums, wie sie nach Erkenntnissen der neuesten Forschung wirklich war. Dabei geht es letztlich um eine entscheidende gesellschaftliche Frage: Taugt das Christentum noch als geistiges Fundament Europas?
Rezensent Jens Jessen sieht das Buch des Kirchenhistorikers Manfred Lütz nicht als Apologie der Kirche. Die Auseinandersetzung um die Bedeutung des Christentums und seine Verfehlungen, namentlich Arnold Angenendts "Toleranz und Gewalt", kann ihm der Autor jedoch in lesbarer Weise rekonstruieren und auswerten. Das Ergebnis findet Jessen temperamentvoll, und "auf gruselige Weise unterhaltsam". Wie der Autor nicht nur Wissenschaft aufbereitet, sondern an der zeitgenössischen Religionsfeindlichkeit rüttelt, findet er imponierend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2018
Friedrich Wilhelm Graf ist bloß froh, dass das intellektuelle Niveau, das Manfred Lütz in seiner Affirmationsgeschichte des Christentums an den Tag legt, nicht repräsentativ ist im deutschsprachigen Bildungskatholizismus. Peinlich findet er, wie der Autor die Kirche vom Blut der Kreuzzüge und der Gewalt gegen die Juden reinzuwaschen versucht. Schuld war immer der Pöbel und habgierige weltliche Herrscher, lernt Graf. Dass der Autor die Verwicklungen katholischer Priester in Missbrauchsskandale kritisiert, findet Graf da schon fast erstaunlich. Im Ganzen eine dürftige Apologetik, meint er, die sich auf einen naiven Wissenschaftsglauben stützt.
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