Die Untersuchung bemüht sich um Möglichkeiten einer Adaptation des von N. Luhmann entwickelten systemtheoretischen Ansatzes für die musikwissenschaftliche Forschung. Der Übergang von einer hermeneutisch dominierten Sichtweise zu einer Beobachtung, die die Konstitutionsmechanismen von Realität in den Blick zu nehmen sucht, leitet eine Revision zentraler musikwissenschaftlicher Kategorien und Verfahrensweisen ein. Diese Konsequenzen werden sukzessiv entwickelt und anhand eines musikhistorischen Beispiels ? der sogenannten `Kirchenmusikalischen Erneuerungsbewegung` und ihres Protagonisten Hugo Distler - konkretisiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2001
Gustav Falke zeigt sich in seiner Rezension, die eindeutig an ein Fachpublikum adressiert ist, recht angetan von dieser Dissertation, die seiner Ansicht nach "über eine monografische Arbeit zu Distler weit hinausreicht". Im Mittelpunkt steht für den Rezensenten ein Angriff der Autorin auf Hermann Danuser und dessen Thesen zum "objektivierten ästhetischen Werturteil" hinsichtlich der Musik des zwanzigsten Jahrhunderts, die Falke selbst genauer erläutert. Diese Thesen versuche die Autorin zu widerlegen, wobei dem Rezensenten Schlüters Souveränität auffällt, wenn sie Alternativen zu Danusers Thesen am "Beispiel der Kirchenmusikbewegung durchspielt". Dass es sich hierbei um ein vergleichsweise abgegrenztes Feld handelt, stört den Rezensenten keineswegs, vielmehr lassen sich die Überlegungen der Autorin seiner Ansicht nach gerade an einem solchen Beispiel vergleichsweise gut nachvollziehen. Nicht ganz verhehlen kann die Autorin jedoch, so Falke, dass auch sie "eine Geschichtsphilosophie" hat, wie er an einigen Beispielen erläutert. Doch lobt er die darin enthaltenen Ansätze durchaus als "solide", weil sie "auf einer ausgearbeiteten Gesellschaftstheorie" beruhen.
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