Dresden als ein bedeutendes Zentrum der katholischen Kirchenmusik - das erscheint auf den ersten Blick wie ein Mißverständnis, gehört aber zu den weitreichenden Folgen des Konfessionswechsels, den der sächsische Kurfürst August der Starke 1697 für seine Wahl zum polnischen König vollzogen hatte. Auch nach dem Ende der sächsisch-polnischen Union verblieben die Wettiner beim katholischen Bekenntnis, und die Musik zu den Gottesdiensten in der Hofkirche nahm unter den Aufgaben der berühmten Hofkapelle eine zentrale Stellung ein. Die aufgeführten Werke stammten anderthalb Jahrhunderte lang fast ausschließlichvon den am Hof angestellten Kapellmeistern und Komponisten und waren nur in Ausnahmefällen außerhalb der sächsischen Residenzstadt zu hören. Heute findet die Musik aus der Dresdner Hofkirche ein wachsendes und dabei nicht nur auf einzelne Komponisten reduziertes Interesse. Der hier vorgelegte Führer erläutert wichtige Besonderheiten dieser Musik von ihren historischen Voraussetzungen her und bietet eine Orientierungshilfe über Epochengrenzen hinweg.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2026
Rezensent Jan Brachmann erkennt mit Gerhard Poppes Buch die Bedeutung der Musik aus der Katholischen Hofkirche zu Dresden für dynastische, territorialpolitische, konfessionsgeschichtliche, liturgische und institutionelle Zusammenhänge. Belege von Andersen über Grillparzer bis Runge bietet der Band laut Brachmann für die Bedeutung dieser "musikalischen Enklave", die der Autor kundig analysiert. Die Anlage der Kapitel als durchgeschriebene Texte leuchtet dem Rezensenten nicht immer ein, insgesamt aber findet er den Überblick anregend, auch zu Einzeldarstellungen zu den im Buch behandelten kurfürstlichen Persönlichkeiten.
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