Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Die Millionenmetropole Karatschi in Pakistan, "kaputt, schön und aus brutaler Gewalt geboren", ist eine der größten und doch unbekanntesten Städte der Welt. Bilal Tanweers Romandebüt verknüpft die Geschichten verschiedener Figuren: Genosse Sukhansaz, der die Politik über die Familie stellte und daran zerbrach. Sein Enkel, der halbseidenen Geschäften nachgeht, Aapa, die sich heimlich mit ihrem Nachbarn trifft, und ein Journalist, der eigentlich Schriftsteller sein möchte, und in dessen Erzählung sich alles verbindet. Als an der zentralen Busstation eine Bombe explodiert und Karatschi für einen Moment stillzustehen scheint, prallen ihre Geschichten noch einmal neu aufeinander.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2016
Rezensentin Angela Schader liest den Roman von Bilal Tanweer als Mahnung, dass die Welt größer ist als die Grenzen unserer Aufmerksamkeit. Tanweer erzählt von den Auswirkungen eines Terrorattentats auf die Beteiligten, indem er seinen Erzähler losschickt, um in Streifzügen durch die Stadt Karachi eine fragmentierte Realität zu fixieren. Auch wenn das dem Erzähler laut Schader nicht gelingt, dem Autor gelingt die Darstellung eines losen Geflechts von menschlichen Beziehungen und damit die Beschreibung disruptiver Energien in der pakistanischen Gesellschaft, meint Schader. Etwas von der Desorientiertheit der Figuren geht auf die Leserin über, erklärt sie, wenn der Autor die Romanarchitektur raffiniert undurchsichtig gestaltet und neben einer mehrere Generationen umfassenden Familiengeschichte auch eine Brudergeschichte verhandelt und eine kindliche zwischen Realität und Fantasie oszillierende Sicht einflicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.06.2016
Recht angetan zeigt sich Rezensent Martin Oehlen vom Debütroman des pakistanischen Schriftstellers Bilal Tanweer, dem er "eine beachtliche poetische Kraft" attestiert. Im Mittelpunkt stehe der Alltag in der 13-Millionen-Stadt Karatschi. Für Oehlen steigt von Seite zu Seite die Faszination für diesen Moloch, auch wenn sie sich vor allem aus den Eindrücken von Überforderung und einer Weltuntergangsstimmung speise. Formale Schwächen hat der Rezensent allerdings auch entdeckt: So würden Tanweers Erzählstränge nicht immer zueinanderfinden und manche Figuren zu flüchtig bleiben. Doch alles in allem ist "Die Welt hört nicht auf" für Martin Oehlen "eine lesenswerte Liebeserklärung" an die Geburtsstadt des Autors.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.04.2016
Tobias Lehmkuhl will den Fleiß gar nicht bestreiten, der in diesem Debütroman von Bilal Tanweer steckt. Nur leider wird er beim Lesen dauernd darauf gestoßen. Wie eine Abschlussarbeit im Fach Kreatives Schreiben kommt ihm der Text bisweilen vor, der laut Lehmkuhl eher als Sammlung von Erzählungen durchgeht. Viele Perspektiven, aber kein Zusammenhalt, meint er. Und die Sprache springt unentschieden zwischen verschiedenen Registern hin und her, erklärt er, und wird dabei zuweilen ungenau. Die Geschichte um die mittelbar Betroffenen eines Anschlags in Karatschi und um das Leben in der Metropole vermag Lehmkuhl der Autor nicht ohne einen aufdringlichen Kunstwillen zu vermitteln.
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