Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Pakistan in den Monaten nach dem 11. September: Jeo ist mit Naheed, der großen Liebe seines Lebens, verheiratet, die auch sein Adoptivbruder Mikal begehrt. Als Jeo sich auf den Weg macht, in Afghanistan verwundeten Zivilisten zu helfen, begleitet Mikal ihn, doch ein Komplott führt die beiden unversehens zwischen die Fronten, Jeo stirbt, und Mikal gerät in Gefangenschaft. Auch in das Leben der Familie zu Hause bricht der Krieg ein. Ihr Vater Rohan, gläubiger Muslim und Gründer einer liberalen Schule, sieht sein Lebenswerk durch Fundamentalisten bedroht, und Naheed tut alles, um die mühsam erkämpfte Freiheit der Frauen nicht wieder zu verlieren...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.07.2014
Keine allzu leichte Kost und dennoch auf jeden Fall lesenswert, befindet Irene Binal nach der Lektüre von Nadeem Aslems Roman "Der Garten des Blinden". Die Rezensentin fasst zusammen: Erzählt wird die Geschichte von Jeo und Mikal, die ihre Heimatstadt Heer im Norden Pakistans verlassen, da seit dem Einzug amerikanischer Streitkräfte nach dem 11. September nur noch Hoffnungslosigkeit herrscht. In Afghanistan, wo die beiden helfen wollen, erwartet sie Krieg, Tod und Verderben, so Binal weiter. Nachdem Mikal erschossen wird, folgt die Kritikerin Jeo auf seiner Odyssee, erlebt aber auch das Leben der Zurückgebliebenen in Heer. Binal würdigt insbesondere Aslems Vermögen, ein ausdifferenziertes Bild des Islam zu schildern. Abgesehen von der gelegentlich übertriebenen und erzwungen wirkenden Motivik, kann die Rezensentin diesen Roman empfehlen.
Sehr begeistert ist Fatma Aydemir davon, wie sensibel und moralisch wertungsfrei sich Nadeem Aslam, der sich als Atheist in seinem Werk immer wieder für die Vorstellungswelt auch fanatischer Muslime interessiert, mit den Bewohnern eines fiktiven pakistanischen Dorfes auseinandersetzt, deren Alltag stark vom Krieg im benachbarten Afghanistan nach den Anschlägen vom 11. September geprägt ist. Im Mittelpunkt steht ein aufgeklärter, humanistisch orientierter Muslim, der zum Jihad auf Distanz geht und dafür von seinen radikalisierten Glaubensgenossen als "Ungläubiger" ausgegrenzt wird. Dass Aslam die Elemente dieser Geschichte auf schön komplexe Weise arrangiert, stellt die Kritikerin dabei ganz besonders heraus. Auch ansonsten handelt es sich um einen "unheimlich kraftvollen Roman", dem es insbesondere in seiner Verbindung von Gewalt und Ästhetik mit einiger Wucht gelingt, Brutalität eine "abgründige Anmut" zu verleihen. Das ist poetisch so brillant, wie es als historischer Befund irritierend ist, meint Aydemir, die es außerdem sehr schön findet, wie wenig Aslam der Geschichte die eigene Deutung der Geschehnisse überstülpt: Dieses Buch lässt viele Wahrheiten zu, freut sie sich.
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