Aus dem Englischen von Rita Seuß. Auf der Suche nach der unbekannten Welt seines muslimischen Vaters reist Aatish Taseer durch eine fremdartige "Terra Islamica". Seine Reise führt ihn von Istanbul über Mekka nach Pakistan. Am Ende, im pakistanischen Lahore, begegnet er dem Vater selbst, einem mächtigen Politiker und Medienzar - Spannender, geistreicher und überraschender ist man selten über den aktuellen Islam informiert worden. Aatish Taseer ist mit seinem Buch - einer Mischung aus Reportage und persönlicher Erinnerung - ein bemerkenswertes Debüt gelungen, das in acht Sprachen zugleich erscheint und wochenlang die indische Bestsellerliste anführte. Aufgewachsen bei seiner nicht-muslimischen Mutter in Indien und dann vor allem in London und den USA sozialisiert, macht sich Aatish Taseer eines Tages auf den Weg, um die unbekannte Welt seines muslimischen Vaters und damit einen Teil seiner Ursprünge zu erkunden. Sein Bericht von dieser Reise ist auf meisterhafte Weise mit Episoden aus der Geschichte seiner indischen Familie verflochten. Die Reise wird für Aatish Taseer zunehmend zur Suche nach seiner Identität und kulminiert in der Begegnung mit seinem Vater in Pakistan, für den der Islam, wie sich herausstellt, weniger eine Frage des Glaubens als ein politischer und kultureller Machtfaktor ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2010
Ziemlich interessant fand Angela Schader Aatish Taseers Erkundungen des islamischen Fundamentalismus, die er in Verbindung mit der eigenen Familien- und Lebensgeschichte setzt. Der in London lebende Journalist und Autor ist das Kind einer indischen Mutter und eines pakistanischen Vaters, der ihm allerdings von Beginn an mit "eisiger Indifferenz" begegnet sei, wie die Rezensentin wissen lässt. Taseer konzentriert sich in seinem Buch, aufbauend auf seine journalistischen Recherchen zu den Londoner Terroranschlägen von 2005, zunächst auf den Islam, wobei er sich auf seinen Reisen von London in die Türkei, nach Syrien, Mekka, Iran und Pakistan besonders für die fundamentalistischen Glaubensströmungen interessiert, stellt die Rezensentin fest. Ausgesprochen erhellend fand Schader hier die Eindrücke aus Istanbul, zu einseitig auf die fanatischen Kreise beschränkt dagegen erscheint der Rezensentin das Syrienkapitel. Als Glanzpunkt dieses Buches preist sie ein Gespräch mit einem türkischen Theologiestudenten und ihr gefällt vor allem die kritische, dabei aber stets diskrete und feinfühlige Haltung Taseers, mit der er sich um Einblick in die radikale Gedankenwelt seines Gesprächspartners bemüht. Zum Vater allerdings, dass stellt die Rezensentin am Ende dieser autobiografischen Spurensuche fest, führt "kein Weg zurück".
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