Die Kleinen lässt man zahlen, die Großen lässt man laufenBirgit Orths ist seit 20 Jahren Steuerfahnderin. Sie hat bei Clan-Kriminalität, bei Cum-Ex-Deals und Steuerhinterziehung, in Geldwäsche-Verfahren, bei den Panama Papers, bei Korruptionsvorwürfen und zuletzt beim systematischen Betrug mit Corona-Soforthilfen ermittelt. In diesem Buch erzählt sie aus der Insiderperspektive, wie sie versucht, gegen die Organisierte Kriminalität vorzugehen. Dabei geht es u.a. um europaweit bandenmäßig begangenen Umsatzsteuer-Betrug in Milliardenhöhe. Sie sieht sich konfrontiert mit Behinderungen durch die eigene Verwaltung, mangelhafter Ausrüstung für die Ermittlungsarbeit wie fehlende technische Ausrüstung und nicht vorhandene schusssichere Westen, aber auch verweigerter Amtshilfe und dem offenkundigen Unwillen an höherer Stelle, die Missstände bei den Ermittlungen aufzuklären und abzustellen.Ihr Fazit: Wenn die Finanzverwaltung sich mit kriminell organisierter Steuerhinterziehung beschäftigt, zeigen sich erschreckende Defizite, die uns Steuerzahler Milliarden kosten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2023
Wie die Steuerfahnderin Birgit Orth von ihrem Kampf gegen organisierten Betrug und Steuerhinterziehung berichtet, findet Rezensent Marcus Jung durchaus interessant. Er sieht sich von ihr in den "Maschinenraum der Aufklärung" versetzt, aber leider auch ins Herz der Bürokratie. So kann ihm Orth plausibel die strukturelle Unterlegenheit des Staates aufzeigen, ohne jemals in "trockene Steuermaterie" zu versinken. Auch ihren kritischen Einwänden und persönlichen Wandlungen folgt der Rezensent gern. Dass die Autorin dennoch nicht alle Leser mitnehmen wird, ahnt der Rezensent, der sich außerdem mehr Informationen zu Clan-Kriminalität und Betrug bei den Corona-Hilfen gewünscht hätte.
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