Es ist ein apokalyptischer Endkampf, den Blexbolex in "Niemandsland" beschreibt. Auf der einen Seite steht die allmächtige Banks Inc. und deren Spion, der Ich-Erzähler der Geschichte. Auf der anderen der Gestiefelte Kater und Gregory Rabbit, nicht unbedingt sympathische Typen, die das Reich der Phantasie und der Kreativität verteidigen. Beiden Seiten ist jedes Mittel recht. Blexbolex ist als Künstler vor allem mit fröhlichen Kinderbüchern bekannt geworden, doch schon lange hat er auch düstere Underground-Comics bebildert. Mit "Niemandsland" hat er seine erste große Graphic Novel gestaltet, eine düstere Bestandsaufnahme der Mythen unserer Zeit: Politische Verschwörungen, Bankenmacht, Geheimdienste, Krieg, esoterische Religionen - überall führt sich unsere Kultur ad absurdum. Die Kunst, die dies darzustellen versucht, wird zwangsläufig selbst absurd. Dies wiederum lässt uns die ironische Hoffnung, dass all das Grauen, mit dem wir täglich in den Medien konfrontiert sind, gar nicht wahr ist. Vielleicht ist die Welt selbst ja nur so etwas wie das Grand Guignol, das brutale Kasperletheater für Erwachsene, das die französische Tradition kennt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.07.2012
Ganzseitige Bilder in plakativen Farben, dazu ein paar Zeilen Text: ist das noch ein Comic - oder schon ein "Bilderbuch für Erwachsene?" Das fragt sich Christian Gasser bei der Lektüre von "Niemandsland". Das neueste Werk des franzoesischen Zeichners Blexbolex, hierzulande vor allem als Kinderbuchzeichner bekannt, sprengt alle Kategorien, stellt der Rezensent fasziniert fest: Auf der Handlungsebene spielt sich ein Noir-Krimi ab, während die Bilder die Grenze zwischen Konkretion und Abstraktion ausloten, und das alles gipfelt in eine "reichlich verschrobene Reflexion über die Kunst des Erzählens und die Macht der Fiktion". Der Rezensent kann in den Bildern Einflüsse von Hergé über Otto Dix bis hin zum russischen Konstruktivismus erkennen. Comic oder Bilderbuch also? Grasser kommt zum Ergebnis: egal - es ist genial!
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