In diesem Comic kommen Jugendliche zu Wort, die das Gefühl teilen, von der Gesellschaft ignoriert und fallengelassen zu werden. Sie aber haben uns viel zu erzählen. Über ihre starke emotionale Bindung an die Familie. Über falsche Freunde, die bezahlt werden wollen, und die Vorstellung von Freiheit, die im Kopf beginnt. Für die Zeit nach dem Arrest wünschen sie sich eine Art von "Reset", wie bei einer Computerfestplatte, auf der alles gelöscht und von vorn begonnen werden kann. Doch Erinnerungen lassen sich nicht löschen - der Teufelskreis aus häuslicher Gewalt, Schulabbruch, Perspektivlosigkeit, Sucht und Straftaten ist nicht so einfach unterbrechen. So sollen diese von den Jugendlichen selbst verfassten Texte und selbst gezeichneten Bilder Einblicke in ihre Gedankenwelt geben, ohne jedoch die Opferperspektive aus dem Blick zu verlieren.
Beeindruckt ist Rezensentin Marielle Kreienborg von diesem Comic, das Patricia Thoma gemeinsam mit Jugendlichen und Mitarbeitern der Jugendarrestanstalt Berlin-Brandenburg gestaltet hat. Thoma hat sich mit Insassen und auch mit Betreuern unterhalten, die Bilder selbst entstanden dann nach der Vorlage von Fotos, die die Beteiligten beim Nachspielen verschiedener Szenen zeigen. So konnten die Jugendlichen vergleichsweise leicht selbst zeichnerisch aktiv werden und auch ihre Individualität in die Veröffentlichung mit einbringen - daneben stehen Thomas eigene Bilder. Thematisch geht es in dem Band darum, wie die Jugendlichen lernen, über ihr eigenes Leben nachzudenken und wie sie manchmal neue Erfahrungen machen, etwa wenn sie zum ersten Mal ein Buch ausleihen. Gut gefällt Kreienborg auch, dass manche Worte in den Zeichnungen durchgestrichen sind, was auf die gewalttätige Wirkung von Sprache und auch gesellschaftliche Prägung verweist. Eine wichtige Veröffentlichung ist dieser Band, findet die Rezensentin, weil hier die Dinge beim Namen genannt werden und zwar von den Betroffenen selbst. Mehr davon, so das Fazit.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…