Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verfolgten die russischen Denker und Denkerinnen des Kosmismus das Ziel, die Menschen durch Technologie unsterblich zu machen. Auf diese Weise sollte das christliche Versprechen der Wiederauferstehung im Hier und Jetzt eingelöst werden. Eine zentrale Rolle spielten bei diesem Unterfangen die Künste, die aufgrund ihrer Fähigkeit Dinge zu verewigen, als den Naturwissenschaften und der Medizin ebenbürtig angesehen wurden. Ausgehend vom historischen Kosmismus nimmt der Band angesichts neuer philosophischer Strömungen wie Spekulativer Realismus, Neuer Materialismus sowie Transhumanismus den Materialismus als zentralen Denkmodus des 20. Jahrhunderts in den Blick. Auf den Spuren aufeinanderfolgender Generationen von Künstler*innen, die seit der historischen Avantgarde vom Kosmismus geprägt wurden, wird dessen utopisches Potenzial erkundet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.04.2018
Thomas Wagner erkennt mit dem von Boris Groys und Anton Vidokle herausgegebenen Band, dass sich die Träume des Silicon Valley schon im russischen Kosmismus der 1920er Jahre entdecken lassen, etwa betreffend die Überwindung der Sterblichkeit und die Weltraumkolonisation. Auch die Ideen des Arztes, Schriftstellers und bolschewistischen Politikers Alexander Alexandrowitsch Bogdanow zum kollektiven Blutaustausch kommen Wagner aktuell vor. Nach einer Rezeptionslinie zwischen dem zaristischen Russland und Elon Musk hält Wagner nach der Lektüre jedenfalls aufmerksamer Ausschau.
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